«Solothurner Verlautbarung» - 2013 15'000 Eintritte

Im Sinne des Mottos der Solothurner Literaturtage «Anfänge.Débuts.Inizi.Entschattas» hat sich eine «groupe de réflexion» zusammengesetzt und in drei Sprachen darüber diskutiert, welche literarische Zukunft wir wollen. Alle sind sich einig, dass die Literatur ein stärkeres Gewicht in der Öffentlichkeit, in der Kulturpolitik verdient. Mehr

In den drei vergangenen Tagen wurden gemäss einer ersten Hochrechnung rund 15'000 Eintritte gezählt.

 


Felix Kauf, Michel Mettler

Es gibt Tage, da schreibt H. Gedichte – aber nur, wenn es ihm sehr schlecht geht. Also selten. H. ist ein kluger Mensch, also wirft er seine Gedichte nach spätestens drei Tagen fort. Kluge Menschen werfen ihre Gedichte fort, vernichten sie, weiss H. Er aber wirft seine Gedichte nicht fort, weil er klug sein will, sondern weil er an ihrer Unvollkommenheit leidet. Denn H. ist Poet. Poeten leiden an der Unvollkommenheit ihrer Gedichte. Je grösser der Poet, desto tiefer das Leiden. Die grössten Poeten leiden so sehr an der Unvollkommenheit ihrer Gedichte, dass sie sie auf der Stelle vernichten müssen. Noch grössere Poeten würden aus Scham niemals Gedichte schreiben, kein einziges, wären also gar keine Poeten, denkt H.

(Aus: H. stellt sich vor)