Peter Stamm

Peter Stamm, geboren 1963, lebt als freier Autor in Winterthur. Seine Romane und Erzählungen wurden in 38 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. dem ZKB Schillerpreis 2017 und dem Solothurner Literaturpreis 2018. 2014 hatte er die Poetikprofessur an der Universität Bamberg inne.
(2018)

peterstamm.ch

Werke (Auswahl)

Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt.
S. Fischer Verlag, 2018

Weit über das Land.
S. Fischer Verlag, 2016

Die Vertreibung aus dem Paradies.
S. Fischer Verlag, 2014

Der Lauf der Dinge.
S. Fischer Verlag, 2014

Nacht ist der Tag.
S. Fischer Verlag, 2013

Sieben Jahre.
S. Fischer Verlag, 2009

Wir fliegen.
S. Fischer Verlag, 2008

Warum wir vor der Stadt wohnen.
Beltz & Gelberg Verlag, 2005

Ungefähre Landschaft.
2001

2018

Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt

S. Fischer Verlag, 2018

Ein gescheiterter Schriftsteller begegnet sich selbst. Dies erzählt er jedenfalls in Stockholm einer jüngeren Frau, die er für seine Romanfigur hält. Dem Roman liegt eine höchst raffinierte Gedankenkonstruktion zugrunde. Ausgehend vom romantischen Doppelgängermotiv werden die Bedingungen des Erzählens erkundet.

Aus: Peter Stamm. Die sanfte Gleichgültigkeit der Welt. S. Fischer Verlag, 2018

Das ist eine seltsame Vorstellung, sagte Lena, dass es irgendwo jemanden geben könnte wie mich. Nicht nur jemanden, der aussieht wie ich, der dasselbe Leben führt, sondern der auch so denkt und empfindet wie ich. Ich glaube, ich finde die Vorstellung schön. Nein, sagte ich, es ist, als sei man kein ganzer Mensch mehr, als löse man sich auf. Es ist schrecklich. Vielleicht hat ja jeder irgendwo einen Doppelgänger, sagte Lena. Und Sie hatten einfach das Pech, Ihrem zu begegnen.


Peter Stamm übersetzen: Peter Stamm, Anibal Campps, Slavo Serc, Maija Zorkaja, Jörn Lindskog und Angelika Salvisberg, 12.05.2018, SLT
Lesung: Peter Stamm und Lucas Marco Gisi, 13.05.2018, SLT

Sa, 12.05.18, 17:00

Gespräch
Peter Stamm übersetzen
Mit: Anibal Campos, Jörn Lindskog, Slavo Šerc, Marija Zorkaja
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Angelika Salvisberg

So, 13.05.18, 10:30

Preisverleihung
Solothurner Literaturpreis 2018
Stadttheater, Theatersaal

So, 13.05.18, 16:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Lucas Marco Gisi
2008

Wir fliegen

S. Fischer Verlag, 2008

In seinem neuen Erzählband «Wir fliegen» zeigt Peter Stamm, dass die alltäglichen Geschichten die aufregendsten sind. Er erzählt von Momenten, in denen etwas kippt und sich unmerklich verändert — Momente, die der Zeit enthoben scheinen und in denen sich doch eine neue Welt auftut. Kleine Geschichten mit grosser Wirkung: etwa jene von Heidi, die aufbrach, um Künstlerin zu werden, nun aber mit Mann und Kind dasteht, die sie nie wollte. Erst die hübsche Lehrtochter aus der Bäckerei bringt sie wieder zum Träumen. Geschichten, die von Sackgassen handeln, und davon, was danach kommt — genau beobachtet und brillant erzählt.

Aus: Peter Stamm. Wir fliegen. S. Fischer Verlag, 2008

Es muss Tausende von Höhlen wie diese geben, sagte Christoph, die noch nie ein Mensch betreten hat, die nie ein Mensch betreten wird. Es gibt eine Welt unter uns im Stein, eine Welt voller Wunder und Geheimnisse. Er sprach nicht weiter. Worte genügten nicht, Bilder genügten nicht. Man musste den Weg gemacht haben, um die sinnlose Schönheit zu ermessen. Nur noch die Geräusche des Projektors waren zu hören, das Surren des Ventilators und das Rattern der Mechanik, die ein Bild nach dem anderen ins Licht schob.

Lesung: Peter Stamm, 03.05.2008, SLT

Sa, 03.05.08, 09:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Daniel Rothenbühler

Sa, 03.05.08, 16:00

Gespräch
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Martin Zingg
2002

Ungefähre Landschaft

2001

Aus: Peter Stamm. Ungefähre Landschaft. 2001

Kathrine sass im Fischerheim. Sie hatte zu Ende gegessen. Ihre Kollegen waren zurück zur Arbeit gegangen, aber sie sass noch immer da, als warte sie auf etwas. Sie schaute hinaus und sah das Dorf, als sähe sie es zum erstenmal. Auf der Strasse ging Morten vorbei. Sie winkte, aber er schaute nicht herüber und sah sie nicht.
Am Abend sass Kathrine wieder im Fischerheim. Sie schaute aus dem Fenster. Auf dem Parkplatz vor dem Haus standen Autos mit laufendem Motor. (...) Im Flur telefonierte einer der russischen Seeleute, die im Haus übernachteten. Er sprach Englisch. Kathrine verstand, was er sagte. Sie lächelte. Aus dem Fernsehzimmer hörte sie einen Sprecher die Lottozahlen herunterlesen. Fünf, elf, dreizehn, einunddreissig ... Kathrine fragte sich, was Svanhild machen würde, wenn sie im Lotto gewänne. Sie selbst hatte nie Lotto gespielt, sie hätte nicht gewusst, was sie mit dem Geld anfangen sollte. Eine Reise machen vielleicht. Helge hatte gespielt, Thomas auch, sogar Morten manchmal.
April, Mai, Juni. Kathrine zählte. Helge, Thomas, Christian, Morten. Dreitausend Kronen auf dem Konto, ein paar Bücher, ein paar Kleider, ein paar Küchenmaschinen. Einen Laptop. Ein Kind.


Fr, 10.05.02, 16:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Bettina Spoerri