Peter Bichsel

Geboren 1935 in Luzern, lebt seit 1968 in Bellach. Autor von Romanen, Erzählungen, Essays und Kolumnen, deren letzte Ende 2014 erschienen ist. Er wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Solothurner Literaturpreis 2011.
(2015)

Werke (Auswahl)

Über das Wetter reden. Kolumnen 2012-2015.
Suhrkamp Verlag, 2015

Im Hafen von Bern im Frühling. Kolumnen 2008-2012.
Radius Verlag, 2012

Das ist schnell gesagt.
Suhrkamp Verlag, 2011

Transsibirische Geschichten. Neue Texte, vom Autor erzählt.
Der gesunde Menschenversand, 2010

Über Gott und die Welt.
Suhrkamp Verlag, 2009

Kolumnen, Kolumnen.
Suhrkamp Verlag, 2005

Cherubin Hammer und Cherubin Hammer.
Suhrkamp Verlag, 1999

Zur Stadt Paris.
Suhrkamp Verlag, 1995

Der Busant.
Luchterhand Literaturverlag, 1985

2015

Über das Wetter reden. Kolumnen 2012-2015

Suhrkamp Verlag, 2015

Seit 1975 hat Peter Bichsel regelmässig Kolumnen geschrieben, fast vierzig Jahre lang. Damit ist nun Schluss. Bichsel schliesst sein Opus magnum, sein funkelndes Erzähluniversum aus sprachlichen Miniaturen mit diesem Band ab.

Aus: Peter Bichsel. Über das Wetter reden. Kolumnen 2012-2015. Suhrkamp Verlag, 2015

Abends haben die Ältesten Geschichten erzählt, um sich selbst und die anderen am Reden zu hindern. Geschichten erzählen, um zu schweigen. Immer wieder dieselben Geschichten.
So kommt es mir vor, wenn ich in den unzähligen Kolumnen, die ich geschrieben habe, herumblättere – immer wieder dieselbe Geschichte, sich im Kreis herum bewegen, das Karussell.
Liebe Leserinnen, liebe Leser, ich bin Ihnen sehr dankbar dafür, dass Sie mir zugehört haben, dass Sie mit mir geschwiegen haben. Das war mir nie selbstverständlich. Jetzt verabschiede ich mich und versuche, geradeaus zu gehen.
(Aus: Über das Wetter reden. Kolumnen 2012-2015)


Lesung: Peter Bichsel und Ralf Rothmann, 16.05.2015, SLT

Sa, 16.05.15, 20:30

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Reina Gehrig, Beat Mazenauer
2010

Transsibirische Geschichten. Neue Texte, vom Autor erzählt

Der gesunde Menschenversand, 2010

Lesung: Peter Bichsel, 15.05.2010, SLT

Sa, 15.05.10, 20:30

Lesung
Peter Bichsel
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Rudolf Probst
2005

Kolumnen, Kolumnen

Suhrkamp Verlag, 2005

Aus: Peter Bichsel. Kolumnen, Kolumnen. Suhrkamp Verlag, 2005

Nicht hinfliegen, nicht hinfahren – aber da sein. Es gibt die Legende, die ich selbst unglücklicherweise in die Welt gesetzt habe, dass ich nie in Paris gewesen sei. Sie sei hier endgültig dementiert. Selbstverständlich war ich da, und das schon vor über hundert Jahren mit Balzac, mit Victor Hugo, mit Heinrich Heine, dann mit Hemingway, mit Henry Miller – später mit Nathalie Sarraute, mit Michel Butor, mit Ennio Flaiano. Und wie hatten wir es lustig in der Metro mit Raymond Queneau und seiner Zazie.
Über Paris, wo ich körperlich noch nie war, wüsste ich wesentlich mehr zu erzählen als über Solothurn, weil mir wohl wesentlich mehr über Paris erzählt wurde als über Solothurn.
Und wenn ich mir selbst etwas erzähle, erzähle ich mir in der Regel nicht Geschichten, die ich erlebt habe, sondern Geschichten, die ich gelesen habe.
Allerdings, was ich selbst schreibe, findet in der Regel da statt, wo ich wohne, in Solothurn – so auch meine letzte Kolumne. Ich schrieb davon, wie ich mich freue, wenn mir die Busfahrer zuwinken.
Nun bekomme ich einen Brief von einer Leserin, der Verena K., die mir mitteilt, dass sie durch meine Kolumne erinnert wurde an eine Geschichte aus der «Menschlichen Komödie» von William Saroyan. Mehr schreibt sie darüber nicht, aber sie schickt mir die Geschichte, die in Ithaka in Kalifornien spielt. Sie hat wegen meiner Kolumne eine lange Reise gemacht, zurück zu einer Geschichte, die ihr lieb ist. Vielleicht war auch sie nie in Kalifornien.
Eine wunderschöne Geschichte übrigens vom kleinen Jungen Ulysses, der dem Lokomotivführer zuwinkt. Der aber winkt nicht zurück.
Nein, so kurz ist die Geschichte nicht, und Verena hat sie sogar lang, sehr lang gemacht. Sie hat sie Wort für Wort von Hand abgeschrieben, mit schön lesbaren Blockbuchstaben, acht Seiten lang. Offensichtlich ist sie eine echte Leserin, Lesen macht das Leben langsam, wer lesen will, muss die Langsamkeit lieben. Und wenn sie die Geschichte abschreibt, dann wird die Geschichte lang wie eine Reise, eine Reise nach Ithaka, Kalifornien, wo sie spielt.


So, 08.05.05, 17:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Rudolf Probst
1999

Cherubin Hammer und Cherubin Hammer

Suhrkamp Verlag, 1999

So, 16.05.99, 13:30

konzertante Lesung
Sprachlos. Eine Komposition für Stimme und Blockflöten von und mit Peter Bichsel und Conrad Steinmann
Mit: Conrad Steinmann
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Beat Mazenauer
1995

Aus: Der Busant

Denn nicht jenes sind die Geschichten, die sich selbst erzählen, sondern nur jene, die uns an Geschichten erinnern. (Programmheft 1986)

Und alle, die einmal hier waren, kehren zurück, immer wieder, man kommt gern zurück nach Solothurn und jedes Mal ein bisschen älter. Und Niklaus Wengi sitzt rum und versucht, sich ans 16. Jahrhundert zu erinnern, ist Mitglied der Altstadtkommission und verlangt an der Sitzung ausdrücklich und mit Nachdruck, dass sie schön werde, diese Stadt, so dass man werde stolz sein dürfen, und dass die Fremden kommen, dass endlich jemand kommt, der nicht schon da war... Und die Stadt Solothurn heisst die Delegierten des eidgenössischen Sängervereins willkommen, der Stadt Solothurn ist es eine Ehre, dir Schweizer Unteroffizierstage durchzuführen, die Schriftsteller sind in Solothurn, die Cinéasten sind in Solothurn, Napoleon war da und Casanova, und alle kommen wieder, und alle sind von hier...

 

So, 28.05.95, 13:30

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Hans Ulrich Probst
1986

Der Busant

Luchterhand Literaturverlag, 1985

Aus: Peter Bichsel. Der Busant. Luchterhand Literaturverlag, 1985

Denn nicht jenes sind die Geschichten, die sich selbst erzählen, sondern nur jene, die uns an Geschichten erinnern. (Programmheft 1986)

Und alle, die einmal hier waren, kehren zurück, immer wieder, man kommt gern zurück nach Solothurn und jedes Mal ein bisschen älter. Und Niklaus Wengi sitzt rum und versucht, sich ans 16. Jahrhundert zu erinnern, ist Mitglied der Altstadtkommission und verlangt an der Sitzung ausdrücklich und mit Nachdruck, dass sie schön werde, diese Stadt, so dass man werde stolz sein dürfen, und dass die Fremden kommen, dass endlich jemand kommt, der nicht schon da war... Und die Stadt Solothurn heisst die Delegierten des eidgenössischen Sängervereins willkommen, der Stadt Solothurn ist es eine Ehre, dir Schweizer Unteroffizierstage durchzuführen, die Schriftsteller sind in Solothurn, die Cinéasten sind in Solothurn, Napoleon war da und Casanova, und alle kommen wieder, und alle sind von hier...


Fr, 09.05.86, 13:30

Werkstatt
Werkstatt Peter Bichsel
Landhaus, Säulenhalle