Kurt Marti

Geboren 1921, lebt in Bern. (1996)

Werke (Auswahl)

Im Sternzeichen des Esels.
1995

Der Vorsprung Leben.
1989

Mein barfüssig Lob.
1987

Ruhe und Ordnung.
1984

Zärtlichkeiten und Schmerz.
1979

1996

Im Sternzeichen des Esels

1995

Aus: Kurt Marti. Im Sternzeichen des Esels. 1995

Ausgegangene Antworten

Obgleich sich vor dem Antwortschalter eine lange Schlange von Leuten angesammelt hatte, klappte das Schalterfenster zu, lange vor Dienstschluss, am frühen Nachmittag schon. Empört protestierten die noch Wartenden, am lautesten die an der Spitze der Schlange, die damit gerechnet hatten, demnächst bedient zu werden. Unbeherrscht stiessen sie Flüche aus, ballten die Fäuste im Zorn. Gleichmütig aber schob der Beamte eine Plakattafel hinters Schalterglas: DIE ANTWORTEN SIND AUSGEGANGEN. Während manche erregt weiter schimpften und sich mit leeren Drohungen Luft verschafften, erstarrten die meisten, wandten sich wortlos zum Ausgang. Eine Dame in elegant-grauem Tailleur begann zu schluchzen, verbarg ihr Gesicht in beiden Händen. Langsam leerte sich die Halle.


So, 19.05.96, 14:45

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Elsbeth Pulver
1990

Aus: unbekannt

1989

Aus: Kurt Marti. Der Vorsprung Leben. 1989

Sommertod

süffiges
licht
noch einmal


heut nacht
vielleicht schon
entleibt sich
der sommer


verzweifelt
umarmt mich
schwester mutlosigkeit


So, 27.05.90, 11:30

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Heinz F. Schafroth
1987

Mein barfüssig Lob

1987

Aus: Kurt Marti. Mein barfüssig Lob. 1987

Anzünden, ein Feuerwerk, sagte sie. Zuerst also hatte er, rasch angetörnt vom Palazzowein, inmitten einer kleinen Stehrunde von Bekannten oder Halbekannten geprahlt, schreibend versuche er neuerdings, jeden Punkt zu erreichen, wo alle Erzähllinien ineinanderflössen, um sich in eine Handlung aufzulösen, die ebenso gut deren Gegenteil, nämlich Stillstand, Entropie, sein könnte, weil alsdann alles mit allem sich vermische und gegenseitig anhalte oder aufhebe in entropisch regloser Schönheit.
Blabla natürlich. Mundus vult fabulam.
Und wer hatte ins vorerst ratlose Schweigen dann doch und angriffslustig Hohoo! gekräht? Der pummelige Dozent, der eitle Gockel, versteht sich, Entropie könne man vergessen, hatte er weismachen wollen, was Sigi Lütolf beschreibe, sei barer Unsinn, entweder unausgegoren oder pfiffige Vernebelung.
Worauf die zottelhaarige Marion, hastig rauchend wie immer, Zigarette nach Zigarette, ihn hatte verteidigen wollen und ziemlich ungeschickt, aber rührend von Einschlaferfahrungen zu erzählen versuchte, wo das Bewusstsein sich ebenfalls verzettle, bis alle Erinnerungen, Bilder, Sinneseindrücke miteinander vermischt, gewissermassen stehen blieben, still würden.
Eben, eben! Hatte der Dozent triumphiert, doch wusste niemand, weshalb.


Sa, 30.05.87, 10:00

Werkstatt
Landhaus, Landhaussaal
1984

Ruhe und Ordnung

1984

Sa, 02.06.84, 15:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
1980

Zärtlichkeiten und Schmerz

1979

Sa, 17.05.80, 11:00

Lesung
Kreuzsaal