Hans Boesch

1926-2003. Geboren in Frümsen-Sennwald (SG). Arbeitete als Tiefbauingenieur. Seit der Pensionierung 1989 lebte er als freier Autor in Stäfa und Latsch (GR). 2003 starb Hans Boesch im Alter von 77 Jahren. (1996)

Werke (Auswahl)

Die sinnliche Stadt.
Verlag Nagel & Kimche AG, 2001

Der Bann.
Verlag Nagel & Kimche AG, 1996

Der Sog.
Verlag Nagel & Kimche AG, 1988

Der Kiosk.
Patmos Verlagsgruppe, 1978

2001

unveröffentlicht

Verlag Nagel & Kimche AG, 2001

Aus: Hans Boesch. Die sinnliche Stadt. Verlag Nagel & Kimche AG, 2001

Das Haus
Ich wollte immer schon ein Haus haben. Eines oben am Berg, am Wiesenbord, von wo man hinuntersehen kann auf das Dorf. Vier Zimmer oder auch fünf, sagte ich.
Fünf? Du lehntest am Zaun, mit dem Rücken zum Tal, und lachtest mich an. Wir standen dort, wo das Haus stehen würde. Der Kellersockel gemauert, weiss, sagtest du, alles andere aus Holz.
Wir waren schnell über die Wiesen hochgestiegen, zu schnell. Du hattest dein Hemd aufgeknöpft, ich sah deine schweissglänzende Brust. Ich sah die Schweisstropfen auf deiner Stirn, und ich sah den Schweiss niederrinnen am Hals. Deine Brust, der Steinsockel und der Schweiss wurden mir eins. Ich hatte die Hand auf deine Brust gelegt, ich berührte deine Brustwarze. Ich wagte nicht, sie zu küssen. Luxus, hattest du einmal gesagt, unsinniger Luxus: was will ein Mann mit seiner Brustwarze? Und auch damals hattest du gelacht.
Einen Garten nicht, sagte ich. Ich will keinen Garten. Ein Haus schon, aber keinen Garten - ausgenommen, du besorgst ihn. Wenn man Kinder hat, wird ein Garten schnell zu viel. Ich denke an die Kinder. Vier oder fünf Zimmer, alle auf demselben Stockwerk. Im Erdgeschoss, sagte ich, das ist bequem.


Fr, 25.05.01, 16:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Beat Mazenauer
1996

Der Bann

Verlag Nagel & Kimche AG, 1996

Aus: Hans Boesch. Der Bann. Verlag Nagel & Kimche AG, 1996

Jetzt, da sie näher kamen, eine endlose Reihe zwischen den Pagen auf der Mauer und den Polizisten in der Fahrbahn, konnte man sehen, dass die Teufelinnen auf Zehenspitzen gingen, dass sie auf den Zehenspitzen hüpften, Schritt für Schritt. Sie schellten sich von der einen Fussspitze ab und schoben im selben Augenblick die andere Fusspitze vor. Sie machten einen kleinen Hüpfer, und im Hüpfen warfen sie das Gesäss hoch und mit dem Gesäss die Treichel.

Weil die Treicheln schwer waren, rissen sie die Hüpfenden nach oben mit. Sie rissen die jungen, schlanken Frauen vom Boden. Jedesmal, wenn die Treichel zwischen die Schulterblätter schlug, riss sie den Körper, der ohnehin im Sprung war, noch eine Handbreit weiter hoch und drückte ihn gleichzeitig nach vorn. Den Oberkörper warf die Treichel nach vorn, die Beine aber schob sie im selben Augenblick etwas zurück. Und so war in jedem Schritt, der nach vorn getan wurde, auch ein Rückschritt. Die Teufelinnen hüpften, aber sie kamen kaum voran. Beinahe an Ort hüpten sie. Und sie schrien bei jedem Hüpfer auf, schrill. Das Schrillen übertönte selbst die Schellen. Die Schwarzen hielten ihre Arme hochgestreckt, weit über die Kö pfe. Mit den Armen machten sie sich Hörner. Und die Hörner hatten Spitzen.


Sa, 18.05.96, 09:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Hardy Ruoss
1988

Der Sog

Verlag Nagel & Kimche AG, 1988

Aus: Hans Boesch. Der Sog. Verlag Nagel & Kimche AG, 1988

Er trat vorsichtig auf. Das Ried war gemäht worden. Die dicken und harten Stoppeln stachen in die Fussohle, sie drangen zwischen die Zehen. Wie auf Messern lief Simon. Und er bewegte sich wie ein Seiltänzer sich bewegt, schwankend, mit ausgestreckten Armen. Einmal hielt er auf einem Stein inne. Sollte er umkehren und zurückgehen auf die Strasse? Sollte er der Strasse entlanggehen, wo keine Stacheln waren, nur der glatte, feine Belag, und sollte er dann beim «Bad» den Weg nehmen zwischen Scheune und Badhaus, wo er Mutter getroffen hatte, die mit Kurattli beim Jauchefass stand? Vielleicht würde die blonde Frau die Treppe herabsteigen zu ihm, und ihr Gesicht wäre schön. So schön, wie er noch kein Gesicht gesehen hatte. Die Frau würde ihm zulächeln. Sie würde ihn fest ansehen und sagen: «Aber dich kenne ich doch! Simon bist du, Annas Simon. Wohin willst du denn?»
Er würde der Frau nicht sagen, dass er ihretwegen gekommen war. Ihretwegen und Margeritas wegen. Margerita, die im See war. Eigentlich suchte er nur Margerita. Alle waren Margerita geworden. Die Wirtin war Margerita, Dorotee war Margerita, Ingeborg.


Sa, 14.05.88, 11:30

Lesung
Landhaus-Bar
1980

Der Kiosk

Patmos Verlagsgruppe, 1978

Fr, 16.05.80, 10:00

Lesung
Kreuzsaal