Corina Caduff

Geboren 1965. Literaturwissenschaftlerin, Professorin am Institut Cultural Studies der HGK Zürich und Privatdozentin an der TU Berlin, lebt in Zürich. (2011)

Werke (Auswahl)

Kränken und Anerkennen.
Lenos Verlag, 2010

Land in Aufruhr. Die Künste und ihre Schauplätze.
Lenos Verlag, 2007

2011

Kränken und Anerkennen

Lenos Verlag, 2010

Weshalb behalten wir Kränkungen so gut im Gedächtnis? Warum leiden Künstler so sehr, wenn ihre Werke keine Anerkennung finden? Wie kränkt und wie anerkennt man mit Blicken? Wie wird der Tod als wohl grösste Kränkung des Lebens inszeniert?
In ihren Essays geht Corina Caduff sowohl von eigenen Erfahrungen – unter anderem einem Gang zu einem Medium, das Kontakt mit dem Jenseits verspricht – als auch von Beispielen aus dem Kunstbetrieb oder der Wissenschaftsgeschichte aus. Dabei behandelt sie scheinbar Entlegenes genauso wie klassische Themen: Geld, Krankheit und das Antlitz von Toten.

Aus: Corina Caduff. Kränken und Anerkennen. Lenos Verlag, 2010

Unser emotionales Leben vollzieht sich zwischen den Polen Kränkung und Anerkennung. Der Bedarf an Anerkennung scheint dabei unerschöpflich: Immer wieder möchten wir in der ganzen Bandbreite un¬serer Persönlichkeit aufs Neue anerkannt sein: in unserem Charakter, in unserer beruflichen Tätigkeit, in un¬serer körperlichen Präsenz, in unseren Überzeugungen. Für unser Wohlbefinden ist Anerken¬nung beinahe so wichtig wie Sauerstoff. Wo einem Anerkennung verweigert oder entzogen wird, da tritt die Kränkung auf den Plan. Wie die Anerkennung spielt auch sie sich in den verschiedensten Feldern ab: privat, beruflich, politisch. Wir sind gekränkt, wenn wir uns missachtet und ungerecht behandelt fühlen, wenn wir zurückgesetzt und respektlos behandelt werden, wenn wir nicht so wahrgenommen werden, wie wir es uns wünschen. Je stärker das Streben nach Anerkennung, desto grösser das Risiko von Kränkung.

Podium: Fakt & Fiktion, 05.06.2011, SLT
Lesung: Corina Caduff, 04.06.2011, SLT

Sa, 04.06.11, 12:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Urs Schaub

So, 05.06.11, 14:00

Podium
Fakt & Fiktion
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Luzia Stettler
2007

Land in Aufruhr. Die Künste und ihre Schauplätze

Lenos Verlag, 2007

Aus: Corina Caduff. Land in Aufruhr. Die Künste und ihre Schauplätze. Lenos Verlag, 2007

s gibt regelmässig wiederkehrende Appelle, die von der Literatur mehr gesellschaftliches Engagement fordern, mehr Einmischung und deutlichere politische Stellungnahmen. Aber Literatur ist keine Politikerin, und sie ist auch keine Erlöserin. Sie kann uns von elenden Verhältnissen nicht erlösen, indem sie selber dazu Stellung bezieht. Hingegen vermag sie – unabhängig davon, ob sie nun explizit politische Themen verhandelt oder nicht –, unsere Wahrnehmungswelt zu erweitern und zu präzisieren.
Wer mit einem Stift in der Hand liest, hinterlässt Spuren im Text, die genau das markieren: die Schärfung der eigenen Wahrnehmung. Man kann Anstreichungen generell als Spuren der Erregung betrachten, als Spuren einer plötzlichen erhöhten Aufmerksamkeit, mit der man für oder gegen etwas eintritt, als Spuren einer intelligiblen Schärfe. Wo solche am Einzeltext gewonnene Schärfe über diesen Text hinausgeht und sich auch nicht-literarischen Verhältnissen zuwendet, sei es persönlichen oder politischen, da wird sie gesellschaftlich.


Sa, 19.05.07, 09:30

Lesung
Doppellesung
Landhaus, Seminarraum
Moderation: Silvia Ferrari