Christoph Geiser

Geboren 1949 in Basel. Abgebrochenes Soziologie-Studium. Journalistische Tätigkeit. Seit 1978 freiberuflicher Schriftsteller. Zahlreiche Reisen und Auslandaufenthalte. Lebt in Bern und Berlin. (2014)

Werke (Auswahl)

Schöne Bescherung. Kein Familienroman.
OFFIZIN Verlag, 2013

Die Baumeister. Eine Fiktion.
Verlag Nagel & Kimche AG, 1998

Kahn, Knaben, schnelle Fahrt.
Verlag Nagel & Kimche AG, 1995

Das geheime Fieber.
Verlag Nagel & Kimche AG, 1987

Wüstenfahrt.
1984

Hier steht alles unter Denkmalschutz.
Lenos Verlag, 1972

2014

Schöne Bescherung. Kein Familienroman

OFFIZIN Verlag, 2013

Der Roman nimmt den Erzählstrang wieder auf, den Christoph Geiser in seinen Familiengeschichten vor über dreissig Jahren verlassen hat: Die Mutter des Erzählers ist krank und stirbt. Gleichzeitig fährt das Buch dort weiter, wo die letzten Romane des Autors hinführten: beim radikalen Infragestellen des bürgerlichen Ichs und aller Erzählkonventionen. Ein artistischer Tanz auf dem hohen Seil, voller Sprachlust – und ohne Netz.

Aus: Christoph Geiser. Schöne Bescherung. Kein Familienroman. OFFIZIN Verlag, 2013

Eine Leiter, freistehend, in den Sternenhimmel, schmal, steil – ganz fern unsere Stube. Da wieselt uns Mama schon voraus, unerwartet behände die Sprossen hinauf, und wird immer kleiner. Doch – beinahe hätte sie schon die Gaststube erreicht – sie stolpert, sie fällt: rücklings sich überschlagend, von Sprosse zu Sprosse, purzelt Mama, wie jene Plastik-Hampelmännchen an kleinen Plastikleitern, die ganze Himmelsleiter herunter. Eine schöne Bescherung! Jetzt müssen wir röntgen.

So, 01.06.14, 11:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Rudolf Bussmann
1998

Die Baumeister. Eine Fiktion

Verlag Nagel & Kimche AG, 1998

Aus: Christoph Geiser. Die Baumeister. Eine Fiktion. Verlag Nagel & Kimche AG, 1998

Hat er eben geschrieen? Und sie liessen’s ein wenig versurren: nur wenig; und sie liessen ihn ein wenig, nur wenig, Luft schöpfen; und er spürt es ein wenig zurücksinken unter die Schwelle, nur wenig unter die Schwelle, und dort lauert es; fauchend; gestaltlos. Und er hört es noch fauchen im Innern. Und schon setzen sie wieder an, das Rad der Pein, diese Seilwinde, weiterzudrehen, Sprosse um Sprosse: nur eine Viertelsprosse, und schon wartet er wieder, dass es ihn anspringt, von innen, aus ihm hervorbricht – Und sie hätten’ s gehört, da oben, die wimmeln? und wir hätten’ s gehört, da unten, und es hätte uns einen Bruch in die Mauer gebrochen, und es hätte ihnen den Steg weggerissen, über den sie zu wimmeln gedachten, vor ihren wimmelnden Füssen einen Abgrund aufgerissen zwischen ihnen, die wimmeln da oben, und uns, die wir heraufdrängen, aus den tieferen Kerkern, vereinzelt noch, aber im Unsichtbaren mutmasslich schon wimmelnd – und ihm: der allein zwischen seinen Peinigern, diesen Knechten, es sind zwei, die nur ihn sehen, für ewig auf die Folter gespannt zu sein scheint: ohne reissen zu können –

Fr, 22.05.98, 10:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Corina Caduff
1996

Kahn, Knaben, schnelle Fahrt

Verlag Nagel & Kimche AG, 1995

Aus: Christoph Geiser. Kahn, Knaben, schnelle Fahrt. Verlag Nagel & Kimche AG, 1995

Nur an das Licht erinnere dich! die Helligkeit. Den Himmel im Fenster. Das Staken von Stangen, Stimmen und Sirren. Die lautlose Talfahrt der Waidlinge. Eine schnelle Bewegung. Kahn, Knaben, schnelle Fahrt. Goethe. 5.9.14. Winkel. Unsichtbare Knaben. Flink beim Hantieren mit Tau, Stange, Ruder im Kahn / auf wogigem - eilfertige Fahrt. Leichte Fahrt - ohne Fracht - eine angenehme Empfindung. In Fahrt gekommen endlich- keine Schlafschlaflosigkeit mehr. Kein Gedanke an Tagwacht und Wecken. Keine Spur noch von Goethe. Kein Gedanke an Schule und Rohrstock - an Mama und Papa - an gestern und morgen - an Mittag und Abend - kein Gedanke mehr urplötzlich!
Was war das?!
Ein Schrecken - als würdest du ohnmächtig, als hättest du dich verletzt, als müsstest du sterben, gleich sterben, in linnenem Weiss, als wär' es dein Leichentuch - ein heiliger Schrecken! beinah wie ein plötzlicher Schmerz. Keine angenehme Empfindung. Ein heilloser Schrecken. Kaputtgemacht! Doch da ist nichts -


Sa, 18.05.96, 14:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Urs Bugmann
1987

Aus einem unveröffentlichten Roman

Verlag Nagel & Kimche AG, 1987

Sa, 30.05.87, 10:00

Lesung
Kreuzsaal
1979
 

Sa, 26.05.79, 09:00

Lesung
Kreuzsaal