Birgit Kempker

Geboren 1956 in Wuppertal. Lebt in Basel. Schriftstellerin, Kulturpädagogin, Dozentin für experimentelles Schreiben und andere poetische Verfahren in den Bereichen Kunst, Forschung, Medien. (2014)

Werke (Auswahl)

Das Sehen Versuchen.
Edition Korrespondenzen, 2013

Sehnsucht im Hyperbett: Ein transverfickter Diskurs .
Droschl Literaturverlag, 2008

Mike und Jane.
Droschl Literaturverlag, 2001

Dein Fleisch ist mein Wort.
Engeler Verlag, 1992

2014

Das Sehen Versuchen

Edition Korrespondenzen, 2013

Was ist das für ein Text? Ein Essay, ein Monolog, ein Gespräch, ein Spiel? «Vor allem geht es um die Möglichkeiten der Worte und Bilder, sich wendend, kippend, gleitend aus ihren konventionellen Verankerungen zu lösen und suchend sich neu zu verbinden», schreibt der Verlag und kommt zum Schluss: «Dieser Text will lieben, das macht ihn unmöglich, verwundbar und schön.»

Aus: Birgit Kempker. Das Sehen Versuchen. Edition Korrespondenzen, 2013

Es gibt kein Bild, das nicht im Bild ist. Im Rahmen. Siehst du? Es gibt keine Sprache, die nicht im Bild ist. In der Sprache. Es gibt keine Sprache, die auf sich hält, die nicht auf Entfesselung aus ist. Sie würde stinken, denn sie wäre schon verdaut. Warum schmeckt Menschen Verdautes? Gewohnheit. Aasfresser. Ähnlichkeit. Der Rahmen ist Bild und für jede Art von Fassung, Gefasstsein, Umfasstwerdenwollen. Die Sprache ist ein Stinktier. Ein hinterhältiges, bösartiges Ding. The only way to torture people less is to torture language, sagt Slavoj Žižek.

Fr, 30.05.14, 12:00

Veranstaltung
Buchpräsentation Moderne Poesie in der Schweiz. Eine Anthologie von Roger Perret
Landhaus, Landhaussaal
de/fr, it

Sa, 31.05.14, 13:00

Poesiesalon
Palais Besenval, Saal Altreu
Moderation: Balts Nill
2009

Sehnsucht im Hyperbett: Ein transverfickter Diskurs

Droschl Literaturverlag, 2008

Was von der Liebe übrigbleibt, wenn sie nur noch Text, ein Spiel mit Sprache ist, das lässt sich mit Vergnügen bei Birgit Kempker erfahren. Sie dekliniert die Sprache des Begehrens in alle Richtungen und Stellungen, und immer wieder amüsiert und irritiert zugleich, dass Sprach- und Sachverhalt einfach nie zur Deckung kommen wollen. «Ich bin die Rede von einem Ich», heisst es einmal bei ihr, und in ihrem neuen Buch, »Sehnsucht im Hyperbett», macht sie die Auflösung dieses Ichs sichtbar als wortverspielten Text.

Aus: Birgit Kempker. Sehnsucht im Hyperbett: Ein transverfickter Diskurs . Droschl Literaturverlag, 2008

Man möchte also auf der Stelle sterben / sind wir jetzt solche / fragt Paula / am Tag danach / mit kindlichem Erstaunen / & stopft sich ein Kissen in den Rücken / & zieht die Schuhe aus im Hyperbett / die ohne Liebe zusammen schlafen können? / oh, es kommt / syntaxdurchbohrt. / Heilige Maschine / transponiere / wasch diesem Geist den Kopf: / Feure ab, / bügel das Liebeswasser, / denn ein Jegliches bleibt hier in Gott / bis es dran ist / & aufgerufen. / Ergo scribendum est. / Also esse die Not von meinem Stift mir runter. /

Fr, 22.05.09, 14:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Martin Zingg
2001

Mike und Jane

Droschl Literaturverlag, 2001

Aus: Birgit Kempker. Mike und Jane. Droschl Literaturverlag, 2001

Mike und Jane 13
Mike liegt unter dem Baum. Jane liebt Mike. Sie liegt daneben. Mike liest. Jane weint. Du liebst mich nicht, sagt Jane, du lügst. Mike setzt sich hin. Ich lüge nicht, sagt Mike, ich lese. Wenn ich auch lesen würde, sagt Jane, dann würde ich dich auch nicht lieben. Mike weint. Wenn du liest, fragt Mike, dann liest du, weil du mich nicht liebst? Jane weint. Ich weiss nicht, womit es anfängt, sagt Jane, aber etwas fängt an und etwas hört auf. Jane, sagt Mike, wenn ich anfange mit Lesen, höre ich nicht auf, dich zu lieben, meine Liebe zu dir ist ein wunderbarer Hintergrund. Ich will nicht dein Hintergrund sein, schreit Jane, ich gehöre in den Vordergrund. Halt den Mund, sagt Mike, ich lese.

Mike und Jane 63
Mike liegt unter dem Baum. Jane liebt Mike. Sie liegt daneben. Mike liegt auf dem Bauch. Er hechelt. Warum weinst du, fragt Jane. Das Hecheln ist nicht mit der Liebe zu verwechseln, sagt Mike. Hab ich auch nicht, sagt Jane. Mike strahlt. Jane hechelt. Der Apfelbaum blüht. Das Wetter ist schön. Niemand strauchelt.

Mike und Jane 99
Mike liegt unter dem Baum. Jane liebt Mike. Sie liegt daneben. Fortpflanzung folgt.


Fr, 25.05.01, 18:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Martin Wyss
1996

Aus: unbekannt

Wenn der Engel in Gestalt ist, ist ihm dann eng? Ja. Das siehst du an seinem Namen.

In Engel steckt Enge. In Enge steckt nicht Engel. In Enge steckt Engel ohne Buchsta be l. Wenn der Engel nicht will, dass in der Gestalt seines Namens die Enge steckt, flüchtet er sich in den Buchstaben l, was typisch ist für den Engel innerhalb von sich selbst ausser sich sein.

Folglich steckt der Engel in Buchstaben l innerhalb des Engels neben der Enge, neben der er im l versteckt steht: sehr gute Tarnung, als sich selbst verkleidet dabei neben sich daneben stehn und es selbst sein.
(Aus: «Die Enge der Engel. Die freien Bewohner des Falls.» Vortrag im Rahmen der interdisziplinären Veranstaltungreihe: Räumliches Denken, Uni/ Zürich.)

 

So, 19.05.96, 14:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Deta Hadorn-Planta
de/fr
1994
 

Sa, 14.05.94, 14:00

Lesung und Gespräch
Quer in der Schweiz - Texte übers Schreiben
Mit: Jan Krohn
Landhaus, Gemeinderatssaal
Moderation: Tim Krohn
1992

Dein Fleisch ist mein Wort

Engeler Verlag, 1992

Aus: Birgit Kempker. Dein Fleisch ist mein Wort. Engeler Verlag, 1992

Ich will ein Buch mit dir

Die Melancholie hat Ordnung im Sinn. Ich nicht. Wer das Herz verloren hat. Wird nicht gesucht. Das Bewusstsein
strömt ins Urin. Jeder ist der Berg. Der sich den Ausgang versperrt. Niemand kann seinen Fuss umgehen. Meide zuerst das süsse Gesicht des andern. Dann dich.

Dann die Grammatik. Ich mache Pläne: Zuerst der Unterschied zwischen Hunger und Durst. Kot und Urin. Trinken und Schlafen. Dann auf dem Sofa mit Natur liebäugeln.

Wo bist du, schreibst du. Ich schneid meine Beine aus und kleb sie in die Zeitung. Wenn ich untröstlich bin kommen immer keine Rosen zugeschickt. Ich häng mir zur Zunge raus. Aus dem Maul schrei ich erst als ich bis zu den Ohren verbannt war.

Am liebsten würd ich mich mit dir persönlich beruhigen. Ich trau dir alles zu. Wenn du die Buchstaben zählst siehst du wieviel ich hin bin zu dir.

Heute müsste mein Bett eintreffen. Du wirst auch mal hier sein. Da werd ich dich dann auch küssen.


Fr, 29.05.92, 18:15

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Martin R. Dean