Arno Geiger

Geboren 1968, lebt in Wien. (2011)

http://www.arno-geiger.de/

Werke (Auswahl)

Der alte König in seinem Exil.
Carl Hanser Verlag, 2011

Es geht uns gut.
Carl Hanser Verlag, 2005

2011

Der alte König in seinem Exil

Carl Hanser Verlag, 2011

In seinem neuen, preisgekrönten Buch «Der alte König in seinem Exil» stellt sich Arno Geiger der Alzheimer-Krankheit seines Vaters. Sehr persönlich beschreibt er, wie Demenz ihre Beziehung verändert; er lässt Wut und Verzweiflung zu, und gerät doch nie ins seichte Gewässer der Larmoyanz oder Blossstellung. Arno Geiger nimmt das Publikum mit auf eine berührende Reise ins Land der Vergesslichkeit, wo immer noch Erstaunliches möglich wird. Und wo der Sohn auch eine neue Nähe zum Vater findet.

Aus: Arno Geiger. Der alte König in seinem Exil. Carl Hanser Verlag, 2011

Wo bist du am liebsten, Papa?
Das ist schwer sagen. Ich bin halt doch am liebsten auf der Strasse.
Was tust du auf der Strasse?
Spazieren. Ein bisschen laufen. Aber ich bin nicht gut besattelt. Meine Schuhe haben nicht die richtige Übersetzung.
Also, es gefällt dir am besten auf der Strasse, obwohl du dort nur langsam vorwärtskommst?
Ja. Weisst du, hier herinnen ...
Gefällt es dir hier herinnen nicht?
Was soll ich hier tun? Ich weiss, die Strasse ist nicht immer das richtige, aber doch das angenehmste, wenn sie trocken ist. Dort kann ich mich ein wenig umschauen, das tut keinem weh.


Lesung: Arno Geiger, 03.06.2011, SLT

Fr, 03.06.11, 17:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Luzia Stettler
2006

Es geht uns gut

Carl Hanser Verlag, 2005

Aus: Arno Geiger. Es geht uns gut. Carl Hanser Verlag, 2005

Und dennoch: Da fühlt sich einer (ich) zu einer Frau hingezogen (Johanna), die stichhaltige Prognosen abgibt darüber, wie die Dinge einmal sein werden, zu einer Frau, die bestrebt ist, das Mass an täglicher Unsicherheit zu schmälern.
Insgeheim möchte doch jeder wissen, wie die Zukunft sein wird, und sei es nur, damit es in der Gegenwart leichter fällt, sich einzubilden, dass man weiss, was man tut.
Johanna, die Wettersammlerin, der Wetterfrosch (die Wetterhenne?) sagt: Je geistreicher du zu sein versuchst, Philipp, desto mehr rennst du vor dir selbst davon. Deine Klugheit ist dein bevorzugtes Mittel, dich vor dem zu drücken, wofür du deine Klugheit eigentlich verwenden solltest. Du läßt dich mit Vorliebe auf Dinge ein, die harmlos sind und ungefährlich – auf all das, was sich nicht lohnt. Auf all das, was ausserhalb deiner Selbst liegt. Du bist ein Feigling. Feiger als ein Stallhase.
Und weiter: Alles, was du machst, ist ein Versuch, Kontrolle zu bewahren. Deine Passivität ist eine strategische Passivität, die dich vor der Gefahr bewahren soll, dich Dingen auszusetzen, die nicht angenehm sind. Dein Vater hat sich die Aufgabe zum Beruf gemacht, die Wahrscheinlichkeit von Verkehrsunfällen zu minimieren, und du versuchst dasselbe in deinem Privatleben. Du glaubst, du kannst den Katastrophen ausweichen oder wenigstens deine Probleme vereinfachen, indem du dich so wenig wie möglich bewegst. Deine Strategie ist es, drei Meter neben der Strasse zu stehen, um den Preis, dass das Leben an dir vorbeigeht. Es ist alles nur, damit die Katastrophe ausbleibt.


Fr, 26.05.06, 16:00

Lesung
Altes Spital, grosser Saal
Moderation: Daniel Zahno