Angelika Waldis

Angelika Waldis, geboren 1940 in Luzern. Studium der Germanistik und Anglistik an der Uni Zürich. Danach arbeitete sie als Journalistin. Konzeption und Leitung des Jugendmagazins Spick mit Otmar Bucher. Seit 2000 ist sie freie Autorin, schreibt Romane und Geschichten. Sie lebt in Zürich.
(2016)

www.angelikawaldis.ch

Werke (Auswahl)

Marktplatz der Heimlichkeiten .
Europa Verlag , 2015

Die geheimen Leben der Schneiderin.
Europa Verlag , 2014

Aufräumen.
Europa Verlag , 2013

Züri Gschnätzlets — Wahre und unwahre Beobachtungen.
Europa Verlag , 2011

Der unheimliche Stein.
Atlantis Verlag, Orell Füssli, 2011

Einer zu viel.
Kein & Aber Verlag, 2010

Verschwinden.
Kein & Aber Verlag, 2006

Tu nicht so.
Kein & Aber Verlag, 2004

Tita und Leo: Eine Feriengeschichte.
Piper Verlag, 2001

2016

Marktplatz der Heimlichkeiten

Europa Verlag , 2015

Achtundzwanzig Kapitel, die jeweils von einem Menschen erzählen, der im Medienhaus der NSZ arbeitet, vom Hauspöstler, der Frau im Archiv bis zum CEO. Leidenschaften, Machenschaften, Lust und Last kommen ans Licht, Individuelles, das über sich hinaus weist und zunehmend verwächst zum Abbild einer Zeit, in der vor allem zählt, was schön, glatt und verkäuflich ist.

Aus: Angelika Waldis. Marktplatz der Heimlichkeiten . Europa Verlag , 2015

immer die beste im aufsatz, und jetzt das, das geknorze mit wörtern, mit sätzen ~ drehe ein wort so oft um, bis es ganz fremd wird, dann kommt stuhl von stehlen, und gestühle ist gestohlenes ~ muss ladurner bei den kurznews helfen: stühle sind im kirchgemeindehaus aufgeschlitzt worden ~ von vandalen ~ ach, herr van dal, wie konnten sie nur ~ ach, ihr stühle, warum seid ihr nicht davongerannt auf allen vieren ~ und ach, warum darf ich nicht über rennende stühle schreiben, über die weltweite stuhlflucht, weil stühle nicht mehr ertragen, dass sich hintern auf ihnen niederlassen ~ und ach, wie vernünftig hat man zu sein bei der neo-media / medi-okria ~ dreht denn hier keiner mal durch?


Lesung: Angelika Waldis und Verena Stössinger, 07.05.2016, SLT

Sa, 07.05.16, 10:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Verena Stössinger
2011

Der unheimliche Stein

Atlantis Verlag, Orell Füssli, 2011

Jojos Stein ist ein Zauberstein; mit ihm lassen sich Dinge verdoppeln. Aber nicht nur das. Bald entdeckt Jojo den Trick, wie er Gegenstände verschwinden lassen kann. Das ist aufregend und lustig, bis Jojo aus Versehen den angeberischen Nachbarsjungen in Luft auflöst! – ? Wie holt man Weggezaubertes zurück? Und geht das auch bei Menschen?
Eine Geschichte, zum Mitfiebern und Staunen. Angelika Waldis liest sie vor, diskutiert mit den Kindern und zeigt zum Schluss Christophe Badoux’ Bilder, mit denen das Buch «Jojo und der Stein» im August 2011 beim Atlantis-Verlag erscheint.

Aus: Angelika Waldis. Der unheimliche Stein. Atlantis Verlag, Orell Füssli, 2011

Jojo hat einen schönen Stein gefunden. Wenn er ein bisschen Spucke drauf verreibt, wird der Stein richtig grün. Er passt genau in Jojos Hand, und er rutscht wie von selbst in seine Hosentasche.
Jojo sitzt im Kreis, den er mit Kreide auf die Steinplatten gemalt hat. Nur er darf diesen Kreis betreten, er ist der Kreiskönig. Jojo will die Ameise bestrafen, die in den Kreis hineinläuft, er nimmt den Stein und schlägt sie tot. Tock!
Als Jojo den Stein hochhebt, sieht er nicht eine Ameise, sondern zwei. Und die sind nicht tot, sondern laufen höchst lebendig auf seinen Fuss zu. Verwundert schaut Jojo seinen Stein an. Das ist unheimlich.
(Aus: Der unheimliche Stein)


JuKiLi: Angelika Waldis, 03.06.11, SLT, 1
JuKiLi: Angelika Waldis, 03.06.11, SLT, 2

Fr, 03.06.11, 11:00

JuKiLi
Kulturm
Moderation: Hans ten Doornkaat
2010

Einer zu viel

Kein & Aber Verlag, 2010

Ein Sommer im Süden: Im Hause Casta kommen drei Generationen einer Familie zusammen, und unter der flirrenden Tessiner Sonne erhitzen sich die Beziehungen. Sehnsucht, Harmoniestreben, uneingestandene Ängste, Glücksversprechen und Leidenschaft sind die Antriebskräfte dieses Reigens, der sich um ein lang gehütetes Geheimnis dreht. «Einer zu viel» ist ein Roman, so luftigleicht wie eine Sommerbrise. Eine völlig unsentimentale Familien- und Liebesgeschichte und zugleich eine kluge Studie über das Fortwirken vergangener Ereignisse in der Gegenwart.

Aus: Angelika Waldis. Einer zu viel. Kein & Aber Verlag, 2010

Wieder war sie zu früh, halb sieben erst, aber trotzdem rannte sie, als käme sie zu spät. Von weitem sah sie, dass die blaue Tür weit offen war, das gab der Fassade etwas Erregtes, sie lief ohne anzuhalten durch die dunkle Öffnung ins Haus und die Treppe hoch zu Dantes Zimmer. Auch diese Tür war offen und Dante lag mit ausgebreiteten Armen auf der Matratze, und sie legte sich auf ihn, Brust auf Brust, Arme auf Arme, wobei ihre Fingerspitzen bis zu seinen Handgelenken reichten, und so lagen sie still, bis ihr Atem so ruhig ging wie seiner.

Lesung: Angelika Waldis, 15.05.2010, SLT

Sa, 15.05.10, 10:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Christa Baumberger
2006

Verschwinden

Kein & Aber Verlag, 2006

Aus: Angelika Waldis. Verschwinden. Kein & Aber Verlag, 2006

In der Nacht hatte es heftig geregnet, aber als wir zum Rothorn aufstiegen, kam die Sonne durch und heizte die letzten Wolken weg. Sigi lief zuvorderst, er kannte den Weg, die anderen waren mal vorne, mal hinten, man blieb immer wieder stehen und blickte hinunter auf die Alp, auf den schwarzen See und die kleiner gewordenen Kühe. Martin rauchte sogar im Gehen. Über der Baumgrenze wurde der Weg beschwerlicher, er wand sich steil den Felsbändern entlang, der Schotter war immer noch nass, die Alp, die Kühe waren verschwunden, es gab nur noch Berg, dunklen aufgetürmten Berg. Polster weißer Blütchen krallten sich in die Ritzen. Manchmal hörte man Bernadette lachen. Jemand vorne legte für die Hinteren Zitronendrops auf Steine, die man nicht übersehen konnte, diese harten, sauren Schnitze. Als es passierte, hatte ich einen im Mund. Danach habe ich nie mehr so einen Schnitz gelutscht. Helga war hinter mir, als sie rutschte. Und hinter Helga war niemand mehr. Ich habe mich nicht umgedreht. Sie schrie nicht. Ich hörte das Poltern und wusste gleich, dass ich das nie jemandem sagen würde. Ich kletterte weiter. Besonders schäme ich mich, dass ich an den Thymian dachte, den sie sich mit einer Haarklammer hinter die Schläfe gesteckt hatte. Ich fragte mich, ob der Thymian hielt. Das Poltern klang nicht viel anders, als wenn Steine in die Tiefe polterten. Spätestens beim Aufschlag in der Tiefe muss sie das Bewusstsein verloren haben. Sie hat noch gelebt.

Fr, 26.05.06, 11:00

Lesung
Altes Spital, kleiner Saal
Moderation: Silvia Ferrari