Reto Hänny

Geboren 1947 in Tschappina. Bergschullehrer. Ausgedehnte Reisen. Theaterarbeit am Stadttheater Chur, Studium der Literatur, Ethnologie und Kunstgeschichte in Zürich. 1994 Ingeborg-Bachmann-Preis. Lebt als Schriftsteller in Zollikon, Berlin und Mathon (GR). (2014)

Opere (Selezione)

Blooms Schatten.
Matthes & Seitz Berlin, 2014

Helldunkel - Ein Bilderbuch.
1994

Am Boden des Kopfes - Verwirrungen eines Mitteleuropäers in Mitteleuropa.
1991

Flug.
1985

2014

Blooms Schatten

Matthes & Seitz Berlin, 2014

Reto Hänny unternimmt den kühnen Versuch, «Ulysses» von James Joyce auf hundert Seiten einzudampfen und dafür nur einen Satz zu benötigen. Entstanden ist eine formvollendete Hommage an den irischen Meister. Zitate aus literarischen Werken von der Antike bis heute sind zu einem musikalischen Ganzen komponiert, in dem die Spannung durch immer neue Einfälle des Andeutens, Einschiebens aufrecht erhalten wird.

Da: Reto Hänny. Blooms Schatten. Matthes & Seitz Berlin, 2014

Die Odyssee eines Annoncenakquisiteurs weder ohne Furcht noch ohne Tadel, der, teils wie unter Schock, von morgens um acht all die Stunden bis weit über Mitternacht hinaus, das nimmer Neue mit immer neuer Hoffnung zu betrachten, einen hektisch anstrengenden Tag lang (einen, wenn man es bedenkt, völlig gewöhnlichen Frühsommertag, einen ausgesprochen durstigen zwar, an welchem die Trockenheit nach Wochen eitel Sonne aber ihren Höhepunkt erreichen und abrupt zu Ende gehen sollte), durch das Labyrinth einer Stadt weit oben auf der nördlichen Halbkugel irrt, (…)

Ve, 30.05.14, 15:00

Im Dialog
Die Musikalität der Sprache
Landhaus, Säulenhalle

Sa, 31.05.14, 11:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderazione: Rudolf Bussmann
1995

Helldunkel - Ein Bilderbuch

1994

Da: Reto Hänny. Helldunkel - Ein Bilderbuch. 1994

Unter «Chiaroscuro» findet sich in einem Lexikon «Helldunkel, 1) malerisches Verfahren, das Weiss, Schwarz und die Zwischentöne einsetzt, um den allmählichen Übergang von Licht zu Schatten abzubilden in einer Weise, die Räumlichkeit suggeriert, Plastizität herstellt. 2) Dämpfung und Betonung von Tonen in Kompositionen und Aufführungen musikalischer Werke.»
Ein Forschungsreisender bricht mit nicht zu besänftigender Neugier in die eisigen Zonen auf, in denen unsere Zukunft zu rechtgelegt wird.
Im Regen oder Schnee ragt die Wand eines riesigen Zylinders auf. Künstlich erleuchtete Gänge, Abschnitte eines klaustrophobischen Labyrinths, die sich zu Säulen weiten, zwingen seine Blicke bis in äussersten Winkel. Kalt und menschenleer, wie die Forschungsziele sind, fallen die Spuren von Leben um so bestürzender ins Auge: Lebendes tritt sterbend und getötet, als Objekt und Opfer in Erscheinung. Der Reisende, das Unbekannte abtastend, in der Beschreibung der Abwesenheit von Leben das Leben beschwörend, kehrt zurück mit Vexierbildern von schmerzender Deutlichkeit.
Die Apokalypse kommt nicht, sie ist schon da. An verbotenen und an öffentlichen Plätzen stösst der Reisende auf lauter «Stilleben» («nature morte»), in denen sie siedet. Was am Ende der Welt noch fehlt, ist nur, dass wir es bemerken - und aus diesem Aufschub, aus dieser Differenz bezieht der Beschreibungsfuror seine Energie.


Sa, 27.05.95, 14:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderazione: Chasper Pult
1991

Am Boden des Kopfes - Verwirrungen eines Mitteleuropäers in Mitteleuropa

1991

Da: Reto Hänny. Am Boden des Kopfes - Verwirrungen eines Mitteleuropäers in Mitteleuropa. 1991

Im Selbstfeiern des Sonderfalls, schon weil beide die gleichen Nationalfarben trügen, nicht von ungefähr die von Blut und Schnee, in erster Linie aber, weil darin anscheinend beide Meister seien, könnte sich Polen, schlage ich, Janusz’ Gedanken unhöflich unterbrechend, vor, in einem Joint Venture mit der Schweiz zusammentun.
Nationalflaggenmässig dürfte es, wie gesagt, keine Probleme geben: Polen - katholischer als der Vatikan, müsste es ihm mehr als ein paar Messen wert sein - bräuchte dem Adler nur das gemästete Kreuz unterzuschieben. Die Eidgenossen andererseits könnten den Aargauern endlich offiziell erlauben, den Stammsitz der k.-k.-Monarchie angemessen zu beflaggen: sie bekämen mit dem Vogel, dessen ahme Schwingen in gemeinsamer Pflege bestimmt bald wieder höhenflugtüchtig gepäppelt wären, zu den königlich-kaiserlichen Herzen, die seit jeher in Muri verwahrt worden sind, einen Hauch von Habsburg, das wilde Kerle zu urvordenklicher Zeit, sich illegalerweise zusammenrottend, lauf Schulbüchlein mit Ross und Reitern, Stumpf und Stiel in den Sumpf gestampft haben, ins Wappen zurück.
Da beide, Polen wie Eidgenossenschaft an der Geschichte kranken, sei es, weil man daran im Blut erstickte, immer wie der, bis in jüngste Zeit, sei's, weil man, während die Geschichte an einem - oder man selber, zum Eisklotz gefroren, an ihr - vorbeidriftet, völlig neutral, ohne zuzusehen, andere ersticken half, gerade auch in jüngster Zeit, dürfte das endlich einmal ein Joint Venture sein, das beiderseits nichts als Vorteile brächte. -


Sa, 11.05.91, 15:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderazione: Dominik Müller
1988
 

Ve, 13.05.88, 20:30

Werkstatt
Jenatsch-Werkstatt
Con: Iso Camartin
Kreuzsaal
1986

Flug

1985

Da: Reto Hänny. Flug. 1985

Vieles, was einem als Kind rätselhaft schien, glaubt man als Erwachsener jetzt deuten zu können, doch manches, was einem einst zu sagenhafter Geschichte sich gereimt, bleibt jetzt verschlossen. Nichts als schale Oberfläche, mit Haarrissen im Lack: Heimatromane, in Nebensätzen verdichtet.
Vieles, mehr jedenfalls, als die Erwachsenen einem zugestanden, hatte man sehr wohl als Kind schon verstanden; etwa die Adressen, und auch das Wort Switzerland, das auf Tante Bertas Karten jeweils unter der Adresse steht: Schwitzerland; ja-.


Ve, 09.05.86, 14:00

Lesung
Kreuzsaal
1979
 

Do, 27.05.79, 09:00

Lesung
Kreuzsaal