Maya Bianchi

1962-1993. Lebte in Bern. (2016)

Opere (Selezione)

Die doppelt geliebte Frau. Drei Ansätze.
1988

1988

Auszug aus unveröffentlichtem Manuskript

1988

Da: Maya Bianchi. Die doppelt geliebte Frau. Drei Ansätze. 1988

Sie sagte nie was. Dies dafür mit voller Lautstärke und dreimal hintereinander. Das gehört zum guten Ton. Sie war eine selbsternannte Sängerin.

Und war sie nicht auch eine begnadete Lacherin, in ihres eigenen Gottes Namen?

Jetzt singen die Vögel über ihrem Grab. Schade. Für die Vögel, meine ich. Die hätten doch heutzutag bessere Angebote, die Engagements flögen den Vögeln nur so in den Schoss, weil ihr Bestand darart dezimiert wurde.
Trotzdem quinquelieren sie heuer des öftern über Gräbern.
Der Haushalt von Angebot & Nachfrage bedürfte einer Frühlingsputzete. Oder sind die Wälder etwa noch, was früher? Sind die Vögel deshalb etwa asylwürdige Flüchtlinge, Verfolgte in ihrer verheerten Heimat?
Sicher nicht
Wie auf Zusehen hin halten sie sich mit Grabbeigesängen über Wasser. Die Toten werfen ihnen Almosen in den Schnabel. Daher ihre goldenen Stimmen?

Tag; so, da wäre ich wieder
Tag & Nacht
Was soll ich sagen, wo ich gewesen bin?

Was soll ich überhaupt sagen?


Ve, 13.05.88, 14:00

Lesung
Landhaus, Gemeinderatssaal