Iljas Farkuch (JO)

Geboren 1948 in Amman. Er studierte Philosophie an der Universität von Beirut und arbeitete als Kulturjournalist Bis 1990 war er zusammen mit Taher Riyad Verleger des Manarat-Verlags. 1992 gründete er den Azminah-Verlag, den er seitdem leitet. Für sein literarisches Werk erhielt er mehrere Literaturpreise. Zuletzt erschienen seine Romane «The Angels in the Wild» (1997) und «Fields of Shadows» (2002). (2006)

2006

Aus: Ein Quartett. Aus dem Arabischen von Hartmut Fähndrich

Weit voneinander die Schatten dieses Tages. Getrennt von jenen ungeplanten Zwischenräumen aus schweigenbesetzter Leere. Ein Schweigen, beladen mit den Staubpartikeln, die, ungehalten von der hereindringenden Sonne, umherflogen. Es gab da eine Kühle, die noch am Ort hing. Zierpflanzen mit hochgehobenem Geist und Gedärm, befestigt mit dünnen Nägeln, gehalten durch unsichtbare Fäden. Grünes Gitterwerk umlaubte die Tür. Diese war weiss gestrichen. Blätter hingen in gelbwelken Resten herab. Es war der zweite Monat im Jahr. Die erste Hälfte des zweiten Monats. Es klingelte. Die Frau trat heran und drückte einen Kuss der Gewohnheit auf die Luft. Sie küsste den freien Raum zwischen Wange und Schulter der Gastgeberin, die in dünne Wolle gekleidet war. Der Kuss erklang und verhallte rasch. Wie er geboren war starb er. «Wo warst du bloss? Wir haben dich lange nicht gesehen, seit...», rief die andere aus. Sie unterbrach sie. Inzwischen war sie hineingegangen und hatte die Schatten durchbrochen, die an ihr hoch krochen, zitternd und etwas unsicher im Stehen. «Ich war gar nicht weit weg. Wie üblich», seufzte sie. «In Reichweite.»

 

Me, 27.05.15, 16:00

Lesung und Gespräch
Jordanische Literatur
Volkshaus-Saal