Rolf Lappert

Geboren 1958 in Zürich, lebt in Aarau. (2012)

www.rolf-lappert.de

Oeuvres (Selection)

Über den Winter.
Hanser Verlag, 2015

Pampa Blues.
Hanser Verlag, 2012

Nach Hause schwimmen .
Carl Hanser Verlag, 2008

Die Gesänge der Verlierer.
Verlag Nagel & Kimche AG, 1995

Klingenspringer. Die Erfindung der Wirklichkeit.
1989

Im Blickfeld des Schwimmers.
1986

2012

Pampa Blues

Hanser Verlag, 2012

«Pampa Blues» erzählt die Geschichte des 16-jährigen Ben, der in der Provinz von der grossen weiten Welt träumt. Sein Leben ist Monotonie. Es gibt eine Tankstelle, den Baggersee und die schöne Friseuse Anna. Als der Visionär Maslow Nachrichten von einem UFO verbreitet, um den Ort in eine Pilgerstätte zu verwandeln, taucht Lena mit ihrer Kamera auf. Doch dann treibt das UFO in den Nachbarort ab, Polizei und Presse kommen wegen eines Mordverdachts, Lena ist gar keine Journalistin - und Ben ist verliebt.

De: Rolf Lappert. Pampa Blues. Hanser Verlag, 2012

Ich hasse mein Leben. In drei Jahren werde ich zwanzig, das ist die Hälfte von vierzig. In acht Jahren ist Karl neunzig und ich bin fünfundzwanzig und vielleicht noch immer hier. Mit ihm. Das will ich mir gar nicht erst vorstellen. Die Realität reicht mir völlig.
Karl steht vor mir, splitternackt. Schaum liegt auf seinen knochigen Schultern wie Schnee. Er schlottert ein wenig, dabei ist es warm im Badezimmer. Ich trockne Karl den Rücken ab, weil er das nicht mehr selber kann. Was Karl alles nicht mehr selber kann, würde ganze Bücher füllen. Karl schwankt und streckt die Arme nach der Wand aus. In fünfundsechzig Jahren bin ich so alt wie er jetzt.


Lesung: Rolf Lappert, 18.05.2012, SLT
Wie küsst die Muse heute? Rolf Lappert, Charles Lewinsky, 20.05.2012, SLT
Icon Poet, 20.05.2012, SLT

Ve, 18.05.12, 10:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Modération: Urs Schaub

Di, 20.05.12, 12:00

Veranstaltung
Wie küsst die Muse heute?
Landhaus, Gemeinderatssaal

Di, 20.05.12, 13:00

Veranstaltung
Icon Poet
Landhaus, Gemeinderatssaal
Modération: Michael Guggenheimer
2008

Nach Hause schwimmen

Carl Hanser Verlag, 2008

Nach dreizehn Jahren meldet sich Rolf Lappert als Prosaautor zurück — und wie.
Sein neuer Roman „Nach Hause schwimmen“ wird von der Basler Zeitung als Meisterwerk gefeiert, die NZZ würdigt das Werk als grossen Wurf und mutiges Buch, als „wuchtigen, kraftvoll erzählten und kühn erdachten Roman“. Die Geschichte vom 1 Meter 50 grossen Wilbur, dem Nichtschwimmer, der leben lernt, obwohl er das nicht will, vermag Kritik und Leser gleichermassen zu begeistern. Es ist das Porträt eines an der Welt verzweifelnden Jungen, ein Roman über Selbstfindung und Erwachsenwerden, der mitreisst durch die Farbigkeit der Figuren, die Vielfalt der Orte und eine gehörige Portion Komik.

De: Rolf Lappert. Nach Hause schwimmen . Carl Hanser Verlag, 2008

Lieber schwiegen sie, als die Stille mit Banalitäten zu stören. Sollten die Erwachsenen über die Gründe spekulieren, warum die siebzehnjährige Rosie O’Sea ins Meer gegangen war, obwohl sie nicht schwimmen konnte. Sie überliessen es den Säufern im Pub, die fallenden Preise für Milch und die steigenden für Bier zu beklagen, und den Jungs auf dem Pausenplatz, sich über englische Fussballteams und italienische Rennautos auszulassen. Stumm sassen sie da und beobachteten die Bewegungen im Fell der Hügel, während die Welt aufgeregt und angeödet vor sich hin quasselte.

Lesung: Rolf Lappert, 02.05.2008, SLT

Ve, 02.05.08, 15:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Modération: Daniel Zahno
1995

Die Gesänge der Verlierer

Verlag Nagel & Kimche AG, 1995

De: Rolf Lappert. Die Gesänge der Verlierer. Verlag Nagel & Kimche AG, 1995

Möglich, dass man hier glücklicher lebte, dachte Tyler. Vielleicht fühlte man sich wohler unter diesem Himmel, dessen Farben anders waren als die über Manchester oder London. Das Klima spielte eine Rolle, bestimmt, und das Meer. Gulf of Mexico, alleine der Klang wärmte. Viel Schauplatz seiner Lebensinszenierung wechseln, vielleicht sogar sich selber aus tauschen gegen eine neue Person, mit der man nur noch den alten Namen gemein hatte. Was man brauchte, ergab sich irgendwie und irgendwann, einen Job fand man leichter als Freunde, und wer Angst hatte vor dem Alleinsein, blieb sowieso, wo er war.
Tyler ass die Trauben und sah dem Spiel zu, bis es dunkel wurde und die Burschen aufhörten und nach Hause gingen. Als alle weg waren, kam ein kleiner Junge auf den Platz und begann, mit dem Ball nach dem Korb zu werfen. Während Tyler ihn beobachtete, dachte er daran, zu ihm hinzugehen und mit ihm zu üben. Er konnte ihm auch nur den Ball zuwerfen oder einen Abwehrspieler simulieren, den der Kleine umdribbeln musste. Der Junge traf nur bei jedem fünften Wurf, obwohl er beinahe unter dem Korb stand. Aber Tyler blieb sitzen; er war ein miserabler Sportler, und ausserdem übte der Junge bestimmt lieber alleine. Tyler zerknüllte die leere Papiertüte, warf sie in Richtung Abfalleimer und verfehlte ihn um einen ganzen Meter. Er drehte sich rasch um und war erleichtert, als er sah, dass der Junge ihn nicht beachtete.


Ve, 26.05.95, 17:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Modération: Chasper Pult
1989

Klingenspringer. Die Erfindung der Wirklichkeit

1989

De: Rolf Lappert. Klingenspringer. Die Erfindung der Wirklichkeit. 1989

Während des Essens kollerte die Konversation wie ein Medizinball auf dem Tisch hin und her, von Hermlin zu Robert, von Robert zu mir und zurück zu Hermlin.
«Haben Sie das Länderspiel gesehen?» fragte Hermlin zum Beispiel.
«Nein», antwortete Robert.
«Ja», sagte ich.
«Das war doch nie im Leben Handspiel da in der zweiten Halbzeit, oder wie?»
«Ich glaube nicht», gab ich zurück.
«Nie im Leben» sage ich. «Und diese Arschgeige von Schiedsrichter gibt Elfme-ter. Der soll doch zurück in die fünfte Liga, Bälle aufpumpen!»
Dann kaute wieder jeder an seinem Essen und trank den teuren, alten Wein, bis Hermlin den Ball wieder ins Feld rollte.
«Haben Sie das mit dem Hirschtalbach gelesen?»
«Ja», antwortete Robert. «Ueble Sache.»
«Nein», sagte ich. Ich hatte keine Zeitung gelesen
«Ueble Sache? Eine Riesensauerei ist das!» rief Hermlin. Er leerte sein halbvol-les Glas in einem Ruck. «Zweihundert Liter Jauche in den Bach, zack, wegen so einem Arschloch mit seinem Traktor»
«Dem Bauern hat es das Bein abge-klemmt, ist wahrscheinlich futsch», steuerte Robert bei. Er redete jetzt in normalem Tempo, aber monoton wie ein Schlafwandler. «Na recht so. Da ist doch alles hin jetzt in dem Gewässer, von den Forellen bis zu den Kaulquappen, alles flöten gegangen wegen dem Kuhhirten!»


Ve, 05.05.89, 14:00

Lesung
Kreuzsaal