Laure Wyss

1913-2002. Nach dem Studium in Paris, Berlin und Zürich, langjähriger Aufenthalt in Schweden, Übersetzungen. Sie war freie Journalistin in Zürich, Mitarbeit beim Fernsehen, Redaktorin beim Tagesanzeiger und freie Schriftstellerin. Sie starb am 21. August 2002. (1994)

Werke (Auswahl)

Rascal.
1999

Lascar.
Limmat Verlag, 1994

Das blaue Kleid.
1989

Tag der Verlorenheit.
1984

Ein schwebendes Verfahren.
1981

1994

Lascar

Limmat Verlag, 1994

Aus: Laure Wyss. Lascar. Limmat Verlag, 1994

Monsieur, sage ich,
im Kanal von Plordonnier, wo ich soeben vorbeiging,
sah ich Bären schwimmen, braune, sie
amüsierten
sich
und johlten. Ist sowas möglich in dieser
Gegend?
Und José sagt:
Es sind meine, die Racker,
entronnen heute morgen,
ich ahnt es
an ihren Mienen, sie hatten
Schlaues im Sinn
Monsieur
es ist heiss heut,
dürfen sie nicht baden,
Ihre Braunen, wie die
weissen Genossen im Eismeer?
Was solls schon.
José sagt:
Ich denk,
es war Lascar, mein grösster,
er unternimmt vieles,
dann aber lässt er sich treiben, das liebt er.
Monsieur, in seiner Gesellschaft war eine
Dame, mit Hut, wenn ich nicht irre,
die jedoch schwamm gegen den Strom.


Sa, 14.05.94, 15:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Christoph Kuhn
1990

Das blaue Kleid

1989

Aus: Laure Wyss. Das blaue Kleid. 1989

Der Knabe fliegt, ich muss meine Schritte beschleunigen um immer atemloser zu lesen, was er in den Sand schreibt: 'das Meer', 'die Muscheln', 'die Fische', 'die Netze". Als wir uns dem Ende der Bucht nähern, lese ich den kleinen Satz 'es ist schade'. Wir rufen jetzt den Hund herbei, wir müssen umdrehen, zurückkehren, es ist Zeit. Noch einmal bückt sich das Kind und schreibt 'Ende'. Aber gleich danach jubelt es: Jetzt werden wir alles noch einmal lesen, wir werden rückwärts lesen, was ich geschrieben habe. Ein paar Schritte zurück, wir lesen 'es ist schade', das Kind lacht, aber dann ist nichts mehr zu finden. Keine Schrift im Sand. Das Wasser ist, für uns unmerklich, gestiegen, und die Wellen haben unser Buch überspült. Ausgelöscht. Das Kind ist nicht traurig. Es sagt: «Das Meer hat meine Wörter genommen.» Ich schlage vor, dass seine Wörter vielleicht mit dem Atlantik nach Amerika gespült werden? Das Kind mit grosser Gebärde: «weit weg.» Ihm ist nichts verloren, es fühlt sich allmächtig, es sagt: «Ich kann meine Wörter auch mit dem Wind schicken. Durch die Luft. Ich kann alles.»

So, 27.05.90, 11:30

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Liliane Studer
1985

Tag der Verlorenheit

1984

Fr, 17.05.85, 20:30

Lesung
Mit: Urs Jaeggi
Landhaus, Säulenhalle
1982

Ein schwebendes Verfahren

1981

Sa, 22.05.82, 14:00

Lecture
Landhaus, Säulenhalle