Lesung

Verzeichnis einiger Verluste

Samstag, 10:00
1. Juni 2019

Ort: Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Lucas Marco Gisi
 

Verzeichnis einiger Verluste

Suhrkamp Verlag, 2018

Das Tuanaki-Atoll muss untergegangen sein, der Kaspische Tiger ist ausgestorben, die Enzyklopädie auf Tafeln im Valle Onsernone wurde vernichtet. Judith Schalansky folgt den Spuren in Archiven und Landschaften, Erinnerungen und Legenden, um das Verschwinden von Dingen und Lebewesen, Kunstwerken und Orten kulturgeschichtlich nachzuzeichnen und literarisch festzuhalten. In ihren Geschichten bleibt das Abwesende präsent, und das Verschwundene wird auf geheimnisvolle Weise lebendig.

Aus: Judith Schalansky. Verzeichnis einiger Verluste. Suhrkamp Verlag, 2018

Das Schwierige ist nicht, den Ursprung zu finden, sondern ihn zu erkennen. Ich stehe an einer Weide, in der Hand eine Landkarte, die mir nicht hilft. Vor mir liegt ein Graben, das Wasser nicht tief, sein Lauf höchstens einen halben Meter breit, die Oberfläche bedeckt von einem löchrigen Teppich gelbgrüner Wasserlinsen. Am Ufer stehen Seggen, gelb und bleich wie Stroh. Nur dort, wo das Wasser offenbar aus dem Erdinnern an die Oberfläche tritt, siedelt strotzend grünes Moos. Was habe ich erwartet?

Weitere Werke: Judith Schalansky. Der Hals der Giraffe. Suhrkamp Verlag, 2011 / Judith Schalansky. Atlas der abgelegenen Inseln. Fünfzig Inseln, auf denen ich nie war und niemals sein werde. mareverlag GmbH & Co. KG, 2009 / Judith Schalansky. Blau steht dir nicht. Matrosenroman. mareverlag GmbH & Co. KG, 2008 / Judith Schalansky. Fraktur mon Amour. Hermann Schmidt, 2006

 

Judith Schalansky, geboren 1980 in Greifswald. Sie studierte Kunstgeschichte und Kommunikationsdesign. Ihr Werk wurde in über zwanzig Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet. Sie lebt als Gestalterin und freie Autorin in Berlin.

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