Podium

Sprache des Körpers. Ein Gespräch über Literatur, Sexualität, Politik

Freitag, 20:30
21. Mai 1993

Ort: Landhaus, Landhaussaal
Ein Gespräch über Literatur, Sexualität, Politik
Moderation: Martin R. Dean, Silvia Henke
 
»In der Literatur ist die Sexualität eine Sprache, in der das, was man nicht sagt, wichtiger ist als das, was man sagt.«
(Italo Calvino)

Wo die Darstellung sexueller Aktivitäten und Wünsche verbreiteter und sagbarer geworden scheint als je zuvor, stellt sich auch in der Literatur die Frage, ob man wirklich von der Sexualität schreibt, um ihr Geheimnis zu wahren: liegt in der Thematisierung des Sexuellen nicht auch ein Anspruch auf Wahrheit - sogenannte Enttabuisierung - und ein Wunsch nach Realitätsgewinn? Ein Anspruch, der gerade in Texten von Frauen eher einem weiblichen Pessimismus unterliegt und weniger von der grossen Befreiung verkündet? Wie aber lassen sich sexuelle Phantasien und die Denunziation sexueller Gewalt aufeinander beziehen? Ist es aus ästhetischen oder politischen Gründen sinnvoll, auch in der Literatur ein Nein zur Pornographie zu formulieren? Und wenn das Schreiben selbst ein erotischer Akt wäre? So bliebe zu fragen, wie sich Sexualität, Erotik und Pornographie unterscheiden lassen.