Ruth Schweikert

Ruth Schweikert, geboren 1965 in Lörrach. Sie schreibt Theaterstücke und Prosa und hat für ihr Werk zahlreiche Preise erhalten, unter anderem 2016 den Solothurner Literaturpreis. Sie lebt in Zürich. (2019)

Werke (Auswahl)

Tage wie Hunde.
S. Fischer Verlag, 2019

Wie wir älter werden.
S. Fischer Verlag, 2015

Ohio.
Ammann Verlag, 2005

Augen zu.
Ammann Verlag, 1998

Welcome home. Theaterstück.
1998

Erdnüsse, Totschlagen.
Rotpunkt Verlag, 1994

2019

Tage wie Hunde

S. Fischer Verlag, 2019

Ruth Schweikert ringt sich jedes Wort von ihrem an Brustkrebs erkrankten Körper ab. Radikal und präzise erzählt sie von Begegnungen mit Ärzt*innen, ihren Ängsten, von Einsamkeit und Scham und tritt dabei als genaue Beobachterin ihrer selbst in Erscheinung. «Tage wie Hunde» erzählt über das Schreiben und Lesen, über die Kraft von Freundschaft und der Literatur.

Aus: Ruth Schweikert. Tage wie Hunde. S. Fischer Verlag, 2019

Ein Sommerabend in Paris; noch ist es beinahe hell, die Straßen voller Menschen; Gelächter und Geflüster in tausendundeiner Sprache: Ich möchte ein Buch zur Welt bringen wie ein Kind; neun Monate lang wächst es in meinem Körper heran und wird von einer Plazenta mit allem Notwendigen versorgt; was für ein Geschenk, welch ein Glück, nicht zu wissen, wie es aussieht; ob es weiblich ist oder männlich, ein Zwischenwesen, ein Doppelgesicht; janusköpfig, so stelle ich es mir vor; so ausgebildet, so fertig, von drüben erzählend

Lesung: Ruth Schweikert und Karin Schneuwly, 31.05.2019, SLT

Fr, 31.05.19, 18:00

Lesung
Tage wie Hunde
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Karin Schneuwly

So, 02.06.19, 10:30

Textwerkstatt
Skriptor Prosa
Mit: Rolf Hermann, Viola Rohner, Mariann Bühler, Micha Friemel, Ralph Tharayil
Kreuzsaal
Moderation: Donat Blum

So, 02.06.19, 13:30

Kurzlesung
Aussenbühne Landhausquai
2015

Wie wir älter werden

S. Fischer Verlag, 2015

Wenn einer zu spät zum Hörer greift und nur noch der Summton zu hören ist, kann er erleichtert wieder auflegen – oder er geht durch, wer allenfalls noch an ihn denken mag: Einer der wenigen verbliebenen Freunde könnte es sein. Oder eines der Kinder. Oder Sabine, die Tochter seiner früheren Geliebten Helena. Aus dieser Perspektive könnte ein Familienroman erzählen, der vom Zweiten Weltkrieg bis in die Gegenwart reicht. Oder auch aus einer anderen.

Aus: Ruth Schweikert. Wie wir älter werden. S. Fischer Verlag, 2015

Auch später erinnerte Friederike sich nicht, was genau sie getan hatte; nur das Bild der jungen Frau blieb in ihrem Gedächtnis, wie sie in ihrem rosa Hängerkleid am Küchenboden lag und wimmerte, ihr bleiches Gesicht mit der fein gezeichneten Nase, aus der helles Blut sickerte. Anita Seiffert hatte sich längst wieder aufgerappelt; nur das Bild ihres schmalen, fast kindlichen Körpers verharrte an derselben Stelle auf dem braungrauen Linoleumboden, und etwas in Friederike wusste, dass auch sie selber dort verharrte; dass Anita Seiffert in jenem Moment, als Friederike sie vom Stuhl gestossen und geschlagen hatte, nur ein Abbild gewesen war von ihr selbst.

Lesung: Ruth Schweikert, 15.05.2015, SLT
Podium: «PEN: Schriftsteller mischen sich ins Weltgeschehen ein», 17.05.2015, SLT
Kunst & Politik: Literatur im Krisenfall, 16.05.2015, SLT

Fr, 15.05.15, 15:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Beat Mazenauer

Sa, 16.05.15, 17:00

Kunst & Politik
Literatur im Krisenfall
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Corina Caduff

So, 17.05.15, 10:00

PEN-Podium
Podium: «PEN: Schriftsteller mischen sich ins Weltgeschehen ein»
Mit: John Ralston Saul
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Hans Ulrich Probst
de/en

So, 17.05.15, 14:00

SRF Live Sendung
BuchZeichen
Cantina del Vino
2009
 

Fr, 22.05.09, 17:00

Podium LITERATUR_ZUKUNFT
Schreiben und Lesen im Jahr 2020
Mit: Jochen Kelter, Roman Bucheli, Michael Vogelbacher

So, 24.05.09, 09:30

Lesung und Gespräch
NETZ-Lesung und Diskussion
Kreuzsaal
Moderation: Perikles Monioudis
2003

Ohio

Ammann Verlag, 2005

Aus: Ruth Schweikert. Ohio. Ammann Verlag, 2005

«Aber wie und womit hat es angefangen» – Meretes Stimme war plötzlich weich geworden und dunkel wie früher und für acht neun zehn elf helle Herzschläge hatten sie einander angesehen, im gelben Licht der Nachttischlampe des Blue Waters Hotels, erschöpft, beinahe zärtlich, traurig und erstaunt, als könnten sie alle Erinnerung versiegeln für den Rest ihres Lebens und noch einmal beginnen, aufmerksamer, mitleidiger vielleicht, klüger und genauer – «was Ihnen so un – so un –». Merete hatte ihr Gesicht von Adrians Blick weg zum Fens-ter gedreht, ihre Lider hatten sich endlich ganz über die Augen gelegt und dann war sie abgetaucht und verschwunden im ruhigen fernen Atem des Schlafs. Kein Wunder. Schliesslich hatten sie beide in den vergangenen zweiundfünfzig Stunden kaum eine Minute geschlafen, und Adrian versuchte schon seit Tagen sich daran zu erinnern, wie der Körper sich anfühlte wenn man halbwegs ausgeschlafen erwachte. Seit dem achtundzwanzigsten September hatte er nicht mehr richtig geschlafen. Das musste beinahe drei Wochen her sein. Die Tabletten, die Dominik ihm verschrieben hatte, Dormi-cum und Lexotanil, schienen die Empfindungen und Störungen, die sie wirksam bekämpfen sollten, Angst, Schuldgefühle, Schlaflosigkeit, Verzweiflung usw., bloss in Schmerz zu verwandeln, der sich auf alle Nervenenden verteilte, wo er pulsierte, stechend und kalt.


Do, 29.05.03, 20:30

Veranstaltung
Von St. Petersburg bis Oberdorf
Landhaus, Landhaussaal

Sa, 31.05.03, 10:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Bettina Spoerri
1995
 

Sa, 27.05.95, 11:00

Hommage
Hommage à Otto F. Walter
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Christoph Kuhn
1994

Erdnüsse, Totschlagen

Rotpunkt Verlag, 1994

Aus: Ruth Schweikert. Erdnüsse, Totschlagen. Rotpunkt Verlag, 1994

Danielas Anziehungskraft auf Männer ist von einer seltsamen Stärke. Es scheint ihr manchmal selbst, als ob sie nur aus einem warmen schwarzen Loch bestünde, als ob von ihren Augen zwei Tunnels direkt zu ihrem Schoss führten. Wenn sie einen Mann nur ansieht, spürt sie seinen Körper schon auf ihrer Haut und Manchen möchte sie jetzt sofort auf der Stelle an ihren ausgemergelten Körper pressen und sich mit seinem alten Schweiss abduschen. Es war einfach, Aebischer zu lieben, er zeigte sich so selbstverständlich nackt, er machte im Wohnzimmer Licht, und zog sich mit der rechten Hand ein Kleidungsstück nach dem andern über den Kopf und über die Füsse, das war wie ein Tanz und das Aus seines wunderbar geschmeidigen Körpers mit der unveränderbar verkrümmten Hand, mit dem rettungslos verkrampften Fuss war ein grosses Ausruhen für Danielas Augen, die an sich selbst so gnadenlos hinuntersahen. Während Daniela ihren Körper unter der Bettdecke verborgen hielt, löschte Aebischer das Licht. "Dich braucht man nicht anschauen», sagte er oft, "eine Augenweide bist du ja nicht, aber diese Hitze in deinem Körper…», "ja", sagte Daniela dann leise, und schämte sich, dass sie keine Augenweide war, aber diese Scham verstärkte ihr verzweifeltes Begehren noch, und sie forderte entschieden "komm jetzt!"

Sa, 14.05.94, 10:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Chasper Pult