Esther Spinner

geboren 1948, lebt in Zürich (2008)

Werke (Auswahl)

Malek, Dörte Klisch und Herr Sause-Flüsternd.
SJW Schweizerisches Jugendschriftenwerk, 2007

Nella. Geschichte einer Freundschaft.
1985

2008

Malek, Dörte Klisch und Herr Sause-Flüsternd

SJW Schweizerisches Jugendschriftenwerk, 2007

Esther Spinner spielt seit Jahren mit Wörtern und Buchstaben, schreibt sowohl für Kinder wie für Erwachsene. Ihr erstes, sehr erfolgreiches Kinderbuch war «Die Amsel heisst Selma» — ein ABC-Buch mit Tier-Anagrammen. Nach einem Lesebuch zu Sprache und Pflege folgte mit «Genau! Sagt Paul Schlau» ein weiteres Kinderbuch. Letztes Jahr erschien mit «Malek, Dörte Klisch und Herr Sause-Flüsternd» ein SJW-Heft. Im Herbst wird ihr neuer Roman «Lamento» herauskommen.

Aus: Esther Spinner. Malek, Dörte Klisch und Herr Sause-Flüsternd. SJW Schweizerisches Jugendschriftenwerk, 2007

«Darf ich mich setzen?» fragt das Kamel die Schildkröte. «Mein Name ist Malek.»
«Bitte, Herr Malek», sagt die Schildkröte, «ich bin Dörte Klisch.»
«Weder Herr noch Frau», sagt das Kamel, «nennen Sie mich Malek, einfach Malek.»
«Wie sie wollen», sagt Dörte Klisch, und rümpft ein bisschen die Nase.
Sie sitzen schweigend auf der Parkbank, bis Malek sagt:
«Hören Sie es auch, Frau Klisch, dieses Flüstern und Zischen?»
Dörte Klisch nickt: «Ein seltsames Geräusch, finde ich.»
«Ich bin nicht seltsam», flüstert es unter der Bank, «ich bin Herr Sause-Flüsternd, der Tausendfüssler.»
(Aus: Malek, Dörte Klisch und Herr Sause-Flüsternd)


JuKiLi: Franco Supino, 02.05.2008, SLT

Fr, 02.05.08, 08:30

JuKiLi
Landhaus, Seminarraum
Moderation: Franco Supino
1987

Nella. Geschichte einer Freundschaft

1985

Aus: Esther Spinner. Nella. Geschichte einer Freundschaft. 1985

wörter
ein wort ans andere reihen, wortketten, nebeneinander-übereinander, satzgebilde, seitenfüllend.
ganze bücher aus wort-satzketten-gebilden.
wörtern eine bedeutung geben, eine alte, eine neue bedeutung. wörter füllen mit gefühlen, mit gedanken, sie beladen, bis sie zusammenbrechen, nicht mehr zu tragen vermögen, was ihnen aufgeladen wird, keine bedeutung mehr haben wollen, nur noch wörter sind.
und neue wörter erfinden, ungedachte, ungeahnte, völlig neue, die sich mir dann verweigern, sich selbst ihre bedeutung geben, sich selbst aneignen, was sie sind.
umformen, willige wörter zu neuen bedeutungen umformen mit trennungsstrichen, mit einem bestimmten, ungewohnten fall. und dann fällt das wort, wird ganz und gar bedeutungslos.
und um mich schlagen, um mich werfen mit scharfkantigen, spitzen wörtern. und selbst ausweichen den schärfsten, verletzendsten. mauern bauen aus wörten, dicke, undurchdringliche wände. und manchmal lassen mich die wörter im stich, verlassen mich, öffnen die mauer, lassen einen ausblick zu und einen einblick, von mir ungewollt.
Ich erschrecke, suche neue wörter, um die lücken zu füllen, suche und suche. Und mir fallen nur abgegriffene worte ein, solche, die ihre dedeutung längst verweigern, abgelegt haben. und die ich doch immer wieder verwende, beschwöre.
wörter wie: liebe, zuneigung, vertrauen.


Sa, 30.05.87, 11:00

Lesung
Kreuzsaal