
Sie hob die Achseln, mir schien, sie sehe mich länger an als ihre Antwort verlangte, sie hob die Achseln und lächelte, bis der Mund sich öffnete, ich sah ihre Zähne. ‚Ich habe kein Lieblingsstück, doch Ihr Spiel’, sagte sie, ‚wärmt mich, Frits’, sie sagte, ‚Frits.’
Dann nahm sie den Besen und begann zu wischen, ich streichelte den Hals des Cellos, führte meine Finger über den Frosch, strich den Bogen über die Saiten und drehte an den Wirbeln.
Sie ging in die Knie und wusch den Boden mit einem nassen Tuch, sie wusch in langsamen gleichen Kreisen, ihr Rücken, als sie jetzt den Boden wäscht, schwingt hin und her, ihr Gesäß, die Schultern, der Hals, ihr ganzer schmaler Leib – ein Pendel, eine Glocke, das Haar, das ihr in die Stirn fällt, fliegt hin und her und hin und her, Sara wäscht in gleichen schönen Kreisen, Sara tanzt, Frau Broffe tanzt in Zimmer vier, langsam, in Andacht, ich begann mit dem Ton c, wechselte zu einem a, zu einem f, ich spielte, spielte zum Tanz auf, nie zuvor hatte ich zum Tanz aufgespielt, ich spielte, spielte ex tempore, eine Minute oder zehn, Sara tanzte in langsamen gleichen Kreisen. Irgendwann drehte sie sich zu mir, sie weinte, ich glaube, sie weinte.
(Aus: Sara tanzt)
Plakat 2011 gestaltet von Reto Wahlen, Solothurn
New Swiss Writing 2011 enthält 39 Texte in der Originalsprache und in englischer Übersetzung.
Die 34. Literaturtage finden statt vom 18. bis 20. Mai 2012, wie immer am Auffahrts-
wochenende.
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tionelle Schreibwettbe-
werb der Solothurner Literaturtage