
Die graue Solothurner Winterzeit verabschiedet sich langsam. Vom Hausberg, dem Weissenstein, strahlen manchmal noch ein paar weisse Flecken ins Mittelland. Aber es wird Zeit. Der Frühling, manchmal bereits der Frühsommer, hat begonnen. Ein untrüglicher Termin dafür ist das Wochenende nach der Auffahrt. Seit bald 30 Jahren treffen sich Schreibende und Lesende an diesem Datum an den Solothurner Literaturtagen zum Reden und Zuhören.
Mein liebster Platz während diesen Tagen ist das runde Tischchen draussen vor dem Eingang der Genossenschaftsbeiz "Kreuz" - falls es das Wetter zulässt. Da tröpfeln die herbeigereisten Literaturinteressierten und einige bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller langsam ein. Ein wunderbarer Steglauf von Intellektuellen, meist in bunten Kleidern ganz im Gegensatz zu uns, dem Filmtagepublikum, wo Schwarz schon fast uniformen Charakter hat. Wenig Lederjacken, dafür viele Sandalen. Und immer wieder Mappen aus Naturleder. Einige sind ortskundig und streben gezielt ins "Landhaus", andere verweilen unschlüssig und verunsichert, versuchen sich zu orientieren und steuern auf den grossen Büchertisch zu. Schreiben und Lesen sind einsame Angelegenheiten. Es braucht Zeit, sich plötzlich an die vielen Menschen zu gewöhnen. Und dem eingeladenen Gast, der seine neueste Prosa oder auch Lyrik vorstellen darf, ringt es einiges ab. Schreiben ist das eine, Vortragen etwas anderes.
Plakat 2011 gestaltet von Reto Wahlen, Solothurn
New Swiss Writing 2011 enthält 39 Texte in der Originalsprache und in englischer Übersetzung.
Die 34. Literaturtage finden statt vom 18. bis 20. Mai 2012, wie immer am Auffahrts-
wochenende.
Hier finden Sie die wichtigsten Literaturtermine.
OpenNet, der tradi-
tionelle Schreibwettbe-
werb der Solothurner Literaturtage