Li Mollet

Es gibt viele Dinge die gewöhnlich sind, und die meisten tun sie. Charlotte flüchtet aus den Räumen, welche klein sind, niedrig oder eng. Aber da bleibt sie stehen. Von hier aus kann sie den Park überblicken. Und sie sieht etwas. Gegenüber spielt der Junge mit der Pistole, die Wohnung liegt im zweiten Stock. Er geht hinter dem Sofa in Deckung, kriecht zur anderen Seite ganz nahe ans Fenster. Zielt. Peng!, daneben, welch ein Glück und trotzdem die Panik. Alle rennen zum Treppenhaus. Niemand hindert mich daran, die möglichen Umwege zu machen. Charlotte lächelt, wenn sie so etwas sagt.
Die Zettel liegen am Boden, wie hingestreute Hochzeitsblumen, sagt Charlotte. Muss das sein, fragt Leonard, kratzt sich im Haar und möchte doch gerne eintreten. Die Tür ist nur angelehnt. Der Tisch in der Mitte wäre breit genug, um die Ellenbogen neben dem weissen Blatt aufzustützen. Der Stuhl davor, ein Holzmodell mit verzierter Lehne. Durch die Wände schimmert gedämpftes, grünlich weisses Licht. Charlotte wendet den Blick und folgt ihnen bis zur Decke. Die Biegung nach oben hin verrät ihre Dünnwandigkeit. Als wären sie aus Papier, sagt Charlotte und fühlt Behaglichkeit aufsteigen.

(Aus: Nichts leichter als das – ein Triptychon)