
Equilibre bezeichnete sich gern als Sophistin, was nicht ernstgemeint war. Aber sie betrieb das Uhrwerk der Liebe so minutiös, daß sie unter ihrer Haarspalterei nun zu leiden hatte. Wie viele nachdenkliche Menschen rieb sie sich schmerzhaft an der Utopie eines wahren Lebens. Diese Utopie steckte, in der Metaphorik unseres Gartens gesprochen, in ihr wie ein Rosendorn, der kleine Tropfen Gift in ihr Herz träufelte. Dagegen schmeckten ihr die Mirabellen, die mundgerechten kleinen runden Früchte, paradiesisch wie die Reflexionen, die sie anstellte, die nicht vom Gefühl des Mangels inspiriert wurden, sondern das Fehlende relativierten.
(Aus: Der verschlossene Garten)

Plakat 2010 gestaltet von Reto Wahlen, Solothurn
Die 33. Literaturtage finden statt vom 3. bis 5. Juni 2011, wie immer am Auffahrtswochen-
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