
Warschau
Die Stadt, in der die siebenköpfige Familie Luksenburg eine Wohnung nahm und die kleine Róza ihre Kinder- und Schuljahre verbringen würde, gibt es nicht mehr. Die unzähligen Schritte durch das Rundbogentor lange verhallt, das Lärmen, Klopfen, Hämmern der Hinterhausbewohner, ärmlicher Gewerbetreibender, die unter der Zarenherrschaft Alexander III. ein karges Leben führten. Auch der lange Antoni, der frühmorgens, Sommer wie Winter im kurzen Schafspelz, an der Pumpe des grossen Hofes stand, Gesicht und Hände auf den Besenstil stützte, ungewaschen und grübelnd, ist ein Bild von gestern. Und das kleine Mädchen, das in der Morgenstille ans Fenster schlich, nach dem Leben Ausschau hielt, obwohl es streng verboten gewesen sei, vor dem Vater aufzustehen. Und unvermittelt das laute befreiende Gähnen Antonis, der sich mit dem nassen Besen an die Arbeit machte, beinah spielerisch die Pflastersteine säuberte.
„Ich höre jetzt noch den schlürfenden, klatschenden Ton (...). Sein Hofkehren, das war ein Dichten.“
(Aus: Róza und die Wölfe)
Plakat 2011 gestaltet von Reto Wahlen, Solothurn
New Swiss Writing 2011 enthält 39 Texte in der Originalsprache und in englischer Übersetzung.
Die 34. Literaturtage finden statt vom 18. bis 20. Mai 2012, wie immer am Auffahrts-
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