Freitag, 26. Mai 2006


Datum: Freitag, 26. Mai.2006
Uhrzeit: 12:30 - 13:15
Veranstaltungsort:

Vernissage Otto Nebel mit Oskar Pastior

Otto Nebel, UNFEIG. Eine Neun-Runen-Fuge zur Unzeit gegeigt

«Ein U / Ein E / Ein I / Ein Enn / Ein Eff / Ein Ge / Ein Zett / Ein Te / Ein Err / Neun Runen nur / neun nur / nur neun / neun Runen feiern eine freie Fuge nun»

Denkbar einfach scheint Otto Nebels (1892–1973) Rezept zu sein, in das er einige wenige auserlesene Zutaten einzuspeisen und so eines der aussergewöhnlichsten Gedicht-Gerichte des 20. Jahrhunderts zuzubereiten verstanden hat: die Neun-Runen-Fuge «UNFEIG». Man nehme neun Buch-Staben, lege sie auf die «Goldwaageder Urdichtung» und erwäge, ob sie einer «übersinnlichen Zuraunungs-Gruppe von Urgebilden des Wortes als Mitzeuger» angehören.
Sodann füge beziehungsweise fuge man das Ganze auf kleiner Flamme unter stetem lipo- und anagrammatischem Rühren zu einer Schrift-, Sinn-, Bild- und Lautebene umfassenden «harmonikalen Einheit makro- und mikrokosmischen Geschehens» (Kurt Liebmann). Erstmals seit seiner «Zuraunung» anno 1923/24 erscheint dieses Werk nun in seiner «druckreifen und endgiltigen» Gestalt, mit einem Beiwort von Oskar Pastior («eine genial greinende findung … ein feigunfähiges zugefugtes stunden- und sekundenwunder») sowie einer Lesung durch Nebel selbst und einer Reproduktion der vier so genannten «Runenfahnen», die der Autor dem Zyklus als «Tanzablauf-Darstellung» beigegeben hat.
Der Verleger, die Herausgeber und Oskar Pastior, der einiges über und aus dem UNFEIG zu Gehör bringen wird, freuen sich, mit Ihnen auf dieses feine Buch anzustossen.