
Otto Nebel, UNFEIG. Eine Neun-Runen-Fuge zur Unzeit gegeigt
«Ein U / Ein E / Ein I / Ein Enn / Ein Eff / Ein Ge / Ein Zett / Ein Te / Ein Err / Neun Runen nur / neun nur / nur neun / neun Runen feiern eine freie Fuge nun»
Denkbar einfach scheint Otto Nebels (1892–1973) Rezept zu sein, in das er einige wenige auserlesene Zutaten einzuspeisen und so eines der aussergewöhnlichsten Gedicht-Gerichte des 20. Jahrhunderts zuzubereiten verstanden hat: die Neun-Runen-Fuge «UNFEIG». Man nehme neun Buch-Staben, lege sie auf die «Goldwaageder Urdichtung» und erwäge, ob sie einer «übersinnlichen Zuraunungs-Gruppe von Urgebilden des Wortes als Mitzeuger» angehören.
Sodann füge beziehungsweise fuge man das Ganze auf kleiner Flamme unter stetem lipo- und anagrammatischem Rühren zu einer Schrift-, Sinn-, Bild- und Lautebene umfassenden «harmonikalen Einheit makro- und mikrokosmischen Geschehens» (Kurt Liebmann). Erstmals seit seiner «Zuraunung» anno 1923/24 erscheint dieses Werk nun in seiner «druckreifen und endgiltigen» Gestalt, mit einem Beiwort von Oskar Pastior («eine genial greinende findung … ein feigunfähiges zugefugtes stunden- und sekundenwunder») sowie einer Lesung durch Nebel selbst und einer Reproduktion der vier so genannten «Runenfahnen», die der Autor dem Zyklus als «Tanzablauf-Darstellung» beigegeben hat.
Der Verleger, die Herausgeber und Oskar Pastior, der einiges über und aus dem UNFEIG zu Gehör bringen wird, freuen sich, mit Ihnen auf dieses feine Buch anzustossen.

Plakat 2010 gestaltet von Reto Wahlen, Solothurn
Die 33. Literaturtage finden statt vom 3. bis 5. Juni 2011, wie immer am Auffahrtswochen-
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