39. Solothurner Literaturtage

Es gehört zu den schönsten Tugenden von Autorinnen und Autoren, dass sie die sichtbaren wie die unsichtbaren gesellschaftlichen Veränderungen aufspüren und wahrnehmen. Sie forschen den feinen Rissen im sozialen Gefüge nach oder berichten davon, was Krieg, Flucht und Ausgrenzung den Menschen antun. Sie versuchen zu verstehen und festzuhalten – vor allem aber wollen sie erzählen und schaffen damit eine Atmosphäre der Anteilnahme. Wie aber kann den Autorinnen und Autoren dies heute gelingen? Angesichts des Kriegselends und der nationalistischen Parolen?

Die Literatur besitzt die wundersame Kraft, erzählen, analysieren und darstellen zu dürfen ohne den Zwang, voreilige oder versöhnliche Antworten zu finden. Gerade deshalb vermag sie Perspektiven aufzuzeigen, die uns Herz und Augen öffnen können. Perspektiven, die uns helfen, die Fragen nach dem «Wer sind wir?» und dem «Wer möchten wir sein?» zu klären. Davon soll an den diesjährigen Solothurner Literaturtagen ausgiebig die Rede sein.

«Wer bin ich?» beinhaltet einen höchst intimen Aspekt. Beispielsweise in Flurin Jeckers Romandebüt «Lanz», das davon erzählt, wie sich ein Jugendlicher in der Welt zurechtzufinden versucht. In eine ähnliche Richtung zielen die autobiografisch geprägten Bücher von Urs Faes, Kathy Zarnegin und Francesco Micieli oder Julia Webers kleiner Familienkosmos, in dem sich Mutter und zwei Kinder täglich fragen: «Wer bin ich und warum?». Francesca Sanna, Olga Grjasnowa, Franzobel oder Ilija Trojanow – um nur einige hervorzuheben – stellen solche Fragen vor dem Hintergrund der aktuellen Flüchtlingskrisen auf je ganz persönliche Weise.

Die Solothurner Literaturtage präsentieren in diesem Jahr rund 70 Schreibende, die Sie, liebe Besucherinnen und Besucher, zu solchen und ganz anderen Fragen anregen möchten. Seien Sie mit dabei, wenn sie ihre Neuerscheinungen in den vier Landessprachen sowie auf Spanisch, Bulgarisch und Englisch präsentieren, wenn sie miteinander ins Gespräch kommen und über dringliche sowie aktuelle Themen aus Politik, Gesellschaft, Medien und Kultur debattieren.

Das Programm der Solothurner Literaturtage bietet eine vielfältige Auswahl: Prosa und Poesie, Spoken Word, Kinder- und Jugendliteratur. Es wird vorgelesen, übersetzt, diskutiert, auf der Bühne performt, um Worte gekämpft, zu Bildern improvisiert oder später am Abend in der Bar zusammengesessen und getanzt.

Im Namen aller Autorinnen und Autoren aus der Schweiz und aus dem Ausland laden wir Sie herzlich ein zum Zuhören und Nachdenken, zum Diskutieren und fröhlichen Beisammensein.

Haben Sie noch Fragen oder Wünsche? Wir sind gerne für Sie da, an diesen 39. Solothurner Literaturtagen.

Die Solothurner Literaturtage