Urs Allemann

Geboren 1948 in Schlieren, studierte Germanistik, Anglistik und Soziologie, war von 1986 bis 2004 Feuilletonredaktor der Basler Zeitung, lebt als Autor und Poesie-Performer in Reigoldswil/BL. (2013)

Bibliografie (Auswahl):

In Sepps Welt
Klever Verlag, 2013

im kinde schwirren die ahnen
Urs Engeler Editor, 2008

Der alte Mann und die Bank. Ein Frühmonatsgequassel
1993

Öz & Kco, Sieben fernmündliche Delirien
1990

Fuzzhase
1988

In Sepps Welt

Klever Verlag, 2013

Urs Allemann bezieht sich in seinen neuen Gedichten auf Vorlagen, literarischen und ausserliterarischen; er verwandelt und überschreibt sie, treibt mit ihnen sein Spiel nach genau festgelegten Regeln, was zu überraschend frischen und witzigen Texten führt.

Aus: «In Sepps Welt»

the gedicht is aufgetutet.
the golden gedichtlein tuten
at the gedicht,...

Sa, 11-05-13, 13:30

Kurzlesung
Aussenpodium Klosterplatz

So, 12-05-13, 11:00

Gespräch
Palais Besenval, Saal Altreu
Moderation: Elio Pellin
de/fr

im kinde schwirren die ahnen

Urs Engeler Editor, 2008

Man hat oft das Gefühl, er dringe ins Innere der Sprache und drösle sie von innen her auf — dabei nimmt er es vor allem sehr genau, mit jedem Wort. Unglaublich, was die Wörter alles bereithalten, und es ist unglaublich, was er in seinen Gedichten alles mit unserer Sprache anstellen kann und was er aus ihr herausholt. Man muss ihn aber nicht nur lesen, man sollte ihn auch hören: Urs Allemann ist ein Vortragskünstler ersten Ranges, was er mit seinen jüngsten Gedichten ein weiteres Mal vor Ohren führt.

Aus: «im kinde schwirren die ahnen»

lasses sein / totentanz 1

skelet it be sein werde stirb
ab oberfleisch he runder quatsch
willst kuh biss dich brems jamben much
auf KNOCH n reim scht, erde, wirb

um alls was wunnegezehr verdirb
n ob vom up und nochn klatsch
mim slightly, maitli, schtirrblick touch
air can do balz if fair der zirp

gedotter fad o nett, marie,
vergalgt dich gsehsch ins LOCH gebluest
zämme zumme „letzt ens is byehüsli“

falls sünd ick sin verapfelmust
selb stiergekiek als kikeri
bis, tödeli, you das aus uns tust

Lesung: Kurt Aebli, Raphael Urweider, Urs Allemann, 04.05.2008, SLT

So, 04-05-08, 12:45

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Martin Zingg

Der alte Mann und die Bank. Ein Frühmonatsgequassel

Aus: «Der alte Mann und die Bank. Ein Frühmonatsgequassel»

Fleisch sein Musik sein. Eine Fleischmusik sein. Der alte Mann zieht ein Taschenmesser aus der Manteltasche klappts auf schlägt den Mantel auf starrt auf das erdige Fleisch. Alter schwarzer Schenkel summt er und stochert mit der Klinge darin herum. Kein Schmerz kein Widerstand. Acker. Der Schenkel fängt aber zu tropfen an. Schwarz tropft das Fleisch des alten Mannes auf die Erde hinab. Soll klingen klingt aber nicht. Das Fleischwasser weigert sich sich in Musik zu verwandeln. Bald denkt er sitzen lautlose Knochen in Mantel und Hut auf der Bank. Es sei denn es gelänge dem alten Mann doch noch sich ein Kind aus dem Schenkel zu schneiden. Ein rosiges Kinderfleisch das inmitten von abgestorbenem Greisenfleisch überlebt hat. Wie eine lebendige Pistolenkugel summt er. Stochert und stochert. Bis auch das Messer schmilzt und ihm schwarz aus der Hand tropft.

Fr, 21-05-93, 10:00

Lesung
Landhaus, Landhaussaal
Moderation: Silvia Henke

Fr, 21-05-93, 20:30

Podium
Landhaus, Landhaussaal
Ein Gespräch über Literatur, Sexualität, Politik
Moderation: Martin R. Dean, Silvia Henke

Öz & Kco, Sieben fernmündliche Delirien

Aus: «Öz & Kco, Sieben fernmündliche Delirien»

Wenn ich mich recht verstehe, hatte für mich der Tod von Öz seinen Zweck in sich selber getragen. Ich fragte mich, ob es mir, wenn Öz endlich von meiner Hand gestorben sein würde, womöglich das Höchste auf Erden, ich meine im Bunker, erreichbare Glück scheinen werde, Öz geboren, Öz auferstanden, Öz am Leben zu wissen. Da es mir unmöglich war, mir auf meine Frage an mich eine mich über zeugende Antwort zu geben, warf ich um die Probe aufs Exempel zu machen, Öz abermals eine Nagelschere zu. Es gab keinen Grund, Öz gegenüber mit Nagelscheren zu geizen. Ich hätte Öz, hätte mir die Kraft nicht gefehlt, die wie jeder so auch dieser Kraftakt erheischte, selbst tausend Nagelscheren zuwerfen können und hatte doch immer noch die tausend-underste griffbereit bei mir gehabt. Für jede Nagelschere, die ich, ich weiss nicht wozu, Oz zugeworfen hätte, wäre ich weiss nicht warum, eine neue gewachsen. Gewachsen, es ist das falsche Wort ich habe es dennoch benutzt. Um Öz ähnlich zu werden, schnitt ich mir mit der Nagelschere das Haar ab. Zuerst das Haupthaar, dann das Barthaar, dann das Achselhaar. Beim Schamhaar, da ich es schätzte, zögerte ich, doch Öz hatte kein Schamhaar. Öz brauchte kein Schamhaar, Öz war nackt, Öz hatte kein Geschlecht. Ich starrte Öz an ich fragte mich, ob ich Öz anfassen sollte, um mich des Daseins von Öz zu versichern.

So, 12-05-91, 10:30

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Gunhild Kübler

Fuzzhase

Aus: «Fuzzhase»

Zwei schlechte Gedichte
1
Wenn der Tod und die Geige
in einer Zeile vorkommen
ist das Gedicht schlecht
egal wie es gemeint ist
2
Der Tod hockt in der Geige
und kaut Zwieback

Sa, 14-05-88, 10:00

Werkstatt
Lyrik-Werkstatt
Landhaus, Säulenhalle