Michael Angele

Geboren 1964 in Aarberg BE, lebt seit 1989 in Berlin. Er schrieb für die «Berliner Seiten» der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung», leitete die «Netzeitung» und leitet seit 2015 die Wochenzeitung «Der Freitag» als stellvertretender Chefredakteur. (2017)

Bibliografie (Auswahl):

Der letzte Zeitungsleser
Verlag Galiani Berlin, 2016

Ankunft Weltende, halb zwölf
2004

Der letzte Zeitungsleser

Verlag Galiani Berlin, 2016

Die Vielfalt der deutschsprachigen Zeitungslandschaft, ja die Tageszeitung an sich, wird wohl nicht zu retten sein. Michael Angele lässt mit wehmutsvollem, aber wachem Blick Revue passieren, was mit ihr alles verschwindet: nicht nur eine Nachrichtendarreichungsform, sondern eine Kulturleistung, sogar eine Lebensform. Die kenntnisreichen Leiden eines Zeitungssüchtigen in Buchform. Gesetzt wie ein Zeitungsartikel.

Aus: «Der letzte Zeitungsleser»

Man müsste von Handke, der mit seinen drei oder doch vier Versuchen eine ideale Form für seine Prosa gefunden hat, einen Versuch über die Zeitung einfordern. Sein bezaubernder Versuch über den stillen Ort, von dem man annehmen könnte, er sei insgeheim auch ein kleiner Versuch über die Zeitung, ist es nicht. Die Zeitung kommt in diesem Versuch nicht vor, dabei ist das Klo der Ort, der einem schliesslich auch noch einfällt, wenn man an die eigene Geschichte des Zeitungslesens denkt.

Lesung: Michael Angele und Valeria Heintges, 27.05.2017, SLT

Fr, 26-05-17, 17:00

SRF Live Sendung
SRF 2 Aktuell
Cantina del Vino

Sa, 27-05-17, 11:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Valeria Heintges

Sa, 27-05-17, 17:00

Kurzlesung
Aussenpodium Landhausquai

Ankunft Weltende, halb zwölf

Aus: «Ankunft Weltende, halb zwölf»

An der Kreuzung zur Bahnhofstrasse verabschieden wir uns. Die Bahnhofstrasse ist lang. Joseph Roth ist hier geboren. Als Knabe sei er oft zum Bahnhof gegangen, um den Zügen nachzuschauen, heißt es. Tankwagen fallen mir auf. Eine Pipeline, die von Odessa kommt, endet seit kurzem in Brody. Hier muss anscheinend immer etwas enden: Geschichten, ein ganzes Reich – «Es war der letzte aller Bahnhöfe der Monarchie …» heißt es in Roths Radetzkymarsch. Im Weltkrieg ist ihm ein Stockwerk abhanden gekommen. Vor dem Eingang stehen die Mercedes-Kleinbusse, viele noch mit den Aufschriften ihrer deutschen Vorbesitzer, sie bringen die Menschen in ihre Dörfer.
Die Halle ist mit Säulen und Rundbögen versehen. Zwei Bäuerinnen warten auf einer Bank, eine braune Tragtasche mit der Aufschrift «Hugo Boss» in der Hand. Unzählige dieser Taschen zirkulieren. Ihr Braun vermischt sich mit der braunen Bank und dem braunen Anstrich der Wand. Das Licht scheint nicht von draußen, sondern aus fernen Zeiten zu kommen.

Fr, 06-05-05, 10:00

Lesung
Landhaus, Säulenhalle
Moderation: Wolfgang Bortlik