Triebfeder des Schreckens
von Eve Mcfar

William betritt mit Sabine das Haus, einer Frau, die er in der Lucinda Bar getroffenen Frau hat. Sie schien sehr frivol, da sie sich schon während des Gesprächs an seinem Sack vergriffen hatte, sich von ihm auf alkoholische Getränke einladen liess und nun so heiter ist wie er, um ihm zu folgen. Zusammen, Williams Arm über ihre Schultern, ihr Arm um seine Taille, erklimmen sie 5 Treppen im Treppenhaus. Auf dem Fussabtreter stampft er seine Füsse ab und bringt damit Sabine zum Lachen, sucht angeregt von ihr in seinen Taschen lachend nach dem Schlüssel und holt ihn dann effektvoll und mit lautlicher Untermalung aus der linken Hosentasche, um ihn ins Schloss zu stecken.
Diese Situation forderte William heraus, sie sexuell aufzuladen. Noch bevor er den Schlüssel der Tür annäherte, griff er langsam aber kräftig nach dem runden Türknauf über dem Schlüsselloch, streichelte den Knauf mit rotierenden Bewegungen seiner linken Hand und schaute, während er den Schlüssel dem Schloss näherte, mit einem Augenzwinkern lüstern zu Sabine. Sie, von dem Schauspiel eher amüsiert denn angetan, grinste zunehmend der Versenkung des Schlüssels entgegen, die von William mit lustvollen Geräuschen unterlegt wurde und unterdrückte betont ein Lachen.
Der hineingerufene herausschiessende Stöhner zum Öffnen der Tür, versetzt William in ein herzhaftes Lachen.
Sie treten zusammen durch den rechten Flügel der Wohnungstür ein. William macht Licht und dreht sich zu Sabine, die hinter sich die Tür schliesst. Er drückt seine Schuhe über die Versen aus und schiebt sie links vor das Schuhregal, indessen Sabine den Spiegel rechts neben der Tür entdeckt hat und voller Sorge die Haare zurechtrückt, die Lippen mit dem kleinen Finger abfährt und die Lidschatten glättet. Unzufrieden aber geil dreht sie sich zum beobachtenden William um, der nun seinen Blick aus der Tiefe des abgewendeten Hinterns über ihre Brüste hebt und an ihren Lippen hängen bleibt. Sie geniesst es und präsentiert sich in Pose, die Arme angewinkelt, die Hände geöffnet: „Tada, gefalle ich Dir?“ „Sehr.“, und er geht auf sie zu, stellt sich vor sie und küsst sie stürmisch.
Diese Situation hatte William an einen Film erinnert, in der die Liebenden sich im Flur zu küssen und wie wild gegenseitig zu entkleiden begannen. Also versuchte William dieses Bild zu forcieren. Er grabschte Sabine an die Brust und knetete sie kräftig, packte ihr mit der anderen Hand an den Arsch und knetete ihn ebenso.
Sabines Arme sind noch immer in der Luft, die Zunge in ihrem Mund ist ihr zu stürmisch, die Hände sind zu grob und in ihrem Kopf schwirrt plötzlich die Sehnsucht, mehr bewundert, angeschaut und mit Komplimenten überhäuft zu werden. Alles nichts, die fremde Wohnung, dieser Mann, alles in einem verworrenen Gestrüpp von Lust und besseren Wissens. Keine langsame Annäherung, kein Sanftmut.
Knallhart erwartet sie jetzt, was sie in der Bar mit der vorschnellen Bewegung hin zu seinem Schoss provoziert hatte. Das Tempo drosseln, das Tempo drosseln, ihn nicht berühren, erstarren, Irritation erzeugen, ja, so würde es ihr gelingen.
William bekommt nichts mit. Sie spürt seinen Penis und seine Erregung, alles zerfliesst im diesigen Einerlei des Alkohols. Einfach die Arme senken? Amüsieren und der Huldigung durch Sexualität nachgeben? Hingeben und wegstossen.
Sabine entschied sich, statt ihn zu streicheln, ihre Jacke auszuziehen und bat ihn höflich, sie aufzuhängen. William war schockiert, kein Sturm der Gefühle und Küsse, kein haltloses Wegwerfen der Kleidungsstücke. Er hielt einen Moment inne und ergriff sogleich die Jacke.
Mit geschwungenen und federnden Bewegungen kam William der Bitte nach. An der Garderobe stiess er übereilt gegen die Wand, traf mit seinem Ellenbogen die Lichtschalterreihe darunter und löschte die Situation.
Sabine schreit auf. William erschrickt. Er schlägt wieder gegen die Schalterreihe und macht überall Licht, im Flur und im Bad. Dann dreht er sich irritiert zu Sabine zurück, wippt noch dem Schreck nach und sein Glied schwillt rasant ab. Er dreht sich weiter zur Badezimmertür, sieht dort Licht und erschrickt wieder: „Nicht doch.“, stösst er leise aus.
An dieser Stelle sei dem Leser gesagt, dass wir uns in einer Situation der Untreue befinden. Williams Freundin Maria verweilt gerade bei einer Freundin in Lüderitz, ein Ort, knapp eine Stunde S-Bahnfahrt zur Wohnung entfernt, nördlich von Berlin. Die Nähe macht es also möglich, dass der Fall eintritt: sie steht im Bad, macht sich gerade für das Bett fertig und will schlafen gehen. Zumindest für William könnte dies gerade sein.
Voll der Verzweiflung öffnet er die Tür. William klinkt die Badezimmertür auf, drückt sie langsam in den Raum, linst um die Ecke hinein und findet das Bad leer, er atmet durch.
„Was ist los?“, will Sabine wissen, der es jetzt zu langsam ging und schlägt dem vorgebeugten William auf den Arsch. Der zuckt zusammen. „Wo geht es lang?“, schickt sie seinem Schreckensausruf nach, und geht auf die linke Tür zu.
„Nein, nicht da.“, William packt sie an der Taille, richtet sie neu aus, gibt ihr Gleichgewicht nach der Richtungsänderung und sie greift zur Klinke der rechten Tür, öffnet sie, derweil William das Licht hinter sich löscht und ihr nachgeht.
Im Zimmer dimmt er langsam das Licht und Sabine dreht sich um: „Gott ist das hier unordentlich.“, sie lacht dabei und William bleibt stehen.
„Wir müssen das Sofa ausklappen.“, gibt er mit einem gekniffenen Grinsen von sich. Sabine sieht sich animiert herauszufinden, wie aus der Sitzgelegenheit für Zwei ein Bett für eine Nacht zu Zweit werden soll.
Sie stürmt zur rechten Ecke, streift den Tisch davor und bringt die Zeitungsstapel darauf zum wanken. William sieht das nicht, er nimmt Sabine erst wieder wahr, nachdem sie ächzend den Bezug entfernt hatte. Das Leichtgewicht von Sofa hebt sie an, zerrt den Überwurf unter den Füssen vor, steckt ihn hinter die Sitzlehne und stellt sich dann stampfend auf.
William schaute zwar Sabine zu, rührte sich selber aber nicht. Er registrierte ein Knacken im Kopf und verstand abrupt: Anpacken! Den Schock über das Licht im Bad hatte er nicht ablegen können, nicht so schnell. Ohne weiter zu zögern, auf nichts achtend, zog er den Bezug von seiner Seite des Sofas.
Gemeinsam falten sie die Matratze auf, ziehen zusammen das Lattenrost vor und schieben dabei den Couchtisch so ungeschickt weg, dass alle Zeitungsstapel umfallen und sich über den Boden verteilen. Ein weiteres Mal geschockt hält William inne, das Bett zwar fertig und Sabine wirft sich auf die Matratze, doch er hört ein Klingeln im Hinterkopf, ein Fick, ein Fick, ein Fick, unterlegt mit der Melodie, morgen Ordnung schaffen zu müssen.
Währenddessen hatte sich Sabine entkleidet und lag nun mit breit geöffnetem Schoss und ausgestreckten Armen auf dem gemachten Bett ohne Bezüge. Dem Leser sei das Bild der schmachtenden Lenden hier vorenthalten und nur paraphrasiert, da der Zustand Williams sich dramatisch verschlechtert hatte, keine schönen Hormone mehr, kein Wunsch nach Feuchte und Wärme, nach Küssen und Stössen, nach Schweiss und Geruch, einfach nur ein leeres kaltes Bett, um sich darin zu verkriechen und die Hitze des Tages von sich zu stossen und den langen ruhigen Schlaf finden.
Für Sabine wurde es unterdessen egal, ob er wach oder schlafend wäre, Hauptsache neben ihr und streckt sich nach ihm aus, die Beine in die Höhe, die Arme fordernd: „Komm schon!“
Williams Kopf ist leer. Die Euphorie durch den Alkohol schlug in Schuld um. Eine Frau in seinem Zimmer, zwar nicht im gemeinsamen Bett, sondern auf der eigenen Couch, aber in der selben Wohnung von Maria. Sabine.
Sie: Scheinbar willig zu einer leidenschaftlichen Nacht mit Sex, fordert nach seinem Körper.
Er: Bekommt zwar alles mit, ihr Bitten und ihre Wiederholungen. Aber Angst macht seine Glieder unbeweglich.
Bis: Stolz durchfuhr ihn, eine solche Frau tatsächlich abgeschleppt zu haben. Unmerklich nahm dieser ihm die Kraft und William sackte in den Knien zusammen, plumpste nach vorn zwischen ihre Beine und Sabine fing ihn ab. Sie brachte seinen Fall unter Kontrolle und so landete er neben ihr.
Die Horizontale beförderte ihn schnurrschtracks ins Traumland. Nun liegt es fern, die sexuelle Tätigkeit Sabines darzustellen, die Abwesenheit des Mannes bedeutet ja, unaufmerksam an dieser Zeit der Nacht vorüberzueilen. Sabine, so viel sei gesagt, erlag nicht dem Kummer oder der Frustration, sie fand den Weg zu ihrer Befriedigung und schlief an Williams Seite ein. Sie genoss die Intimität des Schlafens und hoffte auf einen guten Morgen.

Der nächste Morgen war unglaublich laut. Nicht nur, dass Maria schrie wie am Spiess, nein, sie bekam sich gar nicht mehr ein.
Maria war am frühen Morgen von ihrer Freundin losgefahren und freute sich auf den im Bett schlummernden William. Diese Enttäuschung wollte sie nicht einfach hinnehmen, völlig geschockt stand sie in der Tür zu Williams Zimmer. Der Anblick lähmte ihre Glieder, sie konnte nicht wegschauen, nicht atmen, bis sie beinahe umgekippt wäre.
Sie zieht sich leise aus dem Schlafzimmer zurück und füllt einen Eimer mit kaltem Wasser. Sie träufelt Essig hinein, gerade soviel, dass es penetrant stinkt. Mit diesem Eimer geht sie in Williams Zimmer und ohne irgendetwas anzukündigen, schüttet sie ihn mit einem Schwung über die beiden Schlafenden.
Maria liegt nur halb unter der Bettdecke, ihre Brust vollkommen unbedeckt;
Marcel war vor einiger Zeit kurz wach geworden und sah sie so liegen, woraufhin er sich an ihre Achselhöhle legte, sein Gesicht vor ihre Brust und seine Hand auf ihren Bauch. In dieser Position überaus zufrieden, ergötzte er sich daran und
träumt von Sabine. Ihre Brüste sind straff und stehen aufrecht, ihre Haut ist weich und glatt, ein kleiner Film von Schweiss steht auf ihr und bei einem kleinen Luftzug bekommt sie Gänsehaut und die feinen Härchen richten sich auf, sie kichert und umarmt ihn verschlingend, wie eine Schlange schmiegt sie sich an ihn, er spürt ihre Haut auf seiner gleiten, wie sie sich an ihm reibt und ihn zärtlich küsst. Beide schweben, er schaut ihre Brust an, sie rotieren beide schwerelos und er befühlt ihren runden Po, packt ihre Schenkel und nähert sich schwebend ihrem Schoss, den Kopf voraus ahnt er die ersten dunklen krausen Haare, doch sie tauchen prompt in einen Wasserfall, den zu ignorieren ihm nicht gelingt,
ein Schrei von Sabine und
der ätzende Geruch.
Er schrak auf und Sabine schreit tatsächlich. Sie sitzt im Bett auf, zieht die Bettdecke vor ihre Brust, schaut sich um, entfernt die feuchte Bettdecke wieder von ihrem Körper, friert, bedeckt ihre Brust und sucht dann hektisch nach ihren Sachen, um dann aus dem Zimmer zu verschwinden. Die ganze Zeit steht Maria daneben, den Eimer noch in der Hand und schreit wie wild William an: „Du miese Drecksau, fickst eine Frau in unserer Wohnung, schämst Du Dich gar nicht, Du ekelhafter Kerl von einem Hund. Verschwinde aus dieser Wohnung und lass Dich hier nicht mehr blicken.“
Marcel kann es nicht mehr an sich halten und wirft sich in die nasse Bettwäsche, hält sich den Bauch vor Lachen und muss beinahe weinen. Er röchelt nahezu nach Luft, strampelt mit den Beinen und zeigt schliesslich mit dem Finger auf Maria, die nicht versteht, warum sie zum Opfer des Gespötts geworden ist.
„Drehst Du jetzt ganz am Rad? Was fällt Dir eigentlich ein mich auszulachen.“ Schrie sie und warf mit dem Eimer nach ihm. Es war ein Metalleimer und sie traf ihn hart in der Bauchseite. Marcel lachte abrupt nicht mehr. Er krümmte sich vor Schmerzen und erhielt von Maria höhnisches Gelächter.
Sabine, die sich in der Zeit angezogen hatte, trat mit dem Wurf des Eimers ins Zimmer ein und kann es nicht glauben, was hier für Zustände herrschen. Sofort packte sie Maria am Oberarm wie ein kleines Kind und wollte sie zur Rechenschaft zwingen, schob sie rückwärts: „Sind sie noch bei Verstand?“, wollte Sabine wissen, „Sie haben ihn verletzt!“
Sabine stösst Maria von sich, da sie nicht aufhört zu gackern, diese taumelt gegen die Schrankwand und prallte entsetzt dort an. Voller Sorge, aber immer mit einem Auge auf Maria nähert Sabine sich Marcel, der im Bett liegt und sich vor Schmerzen krümmt. Die Stelle verfärbt sich langsam von rot zu grün und bedeutet einen Rippenbruch, der alsbald in Behandlung muss. Aber in diesem Moment holt Maria mit beiden Armen aus, geballt zu einer Faust, um Sabine zu überrumpeln, nur ist diese wachsam genug und weicht ihr rechtzeitig aus, wodurch Maria auf Marcel landet und ihn wieder zum Schreien bringt. Maria zappelt auf ihm, stösst ihn, schlägt in sein Gesicht, drückt mit der flachen Hand auf seinen Mund, um ihn zum Schweigen zu bringen. Es gelingt ihr nicht: „Halt endlich den Mund Du erbärmlicher Wurm, heulst hier wie ein Schlosshund. Kastrieren sollte ich Dich!“, da sie packt ihn an den Eiern und zieht daran, Marcel heult jetzt tatsächlich wie ein Hund. Sabine ist völlig erstarrt und hat erschrocken die Hand vor den Mund genommen.
„Nur dass sie es wissen, ich werde jetzt gehen und lasse euch allein.“, sagt sie, als kurz ein Moment kein Schrei im Zimmer schwingt.
„Nein!“, schreit Marcel, „nur Du kannst alles aufklären, sie bringt mich um, wenn Du weg bist.“
„Dann rufe ich die Polizei, die wird Dir schnell helfen, dass wird eh das beste für euch sein.“
Maria steht indessen auf und hebt bedrohlich ihre Arme empor, die Hände zu Pranken verkrampft, ihre Fingern wie Krallen gekrümmt, geht sie auf Sabines Hals los.
„Hören sie“, gibt Sabine abwehrend zu Maria, „Ihr Mann hat mich aufgefordert mit ihm in ihrem Bett zu liegen und es so aussehen zu lassen, als hätten wir Sex gehabt. Er wollte sie testen, er wollte sehen wie sie reagieren. Es ist überhaupt nichts passiert. Dass es so ausarten würde, damit habe ich nicht gerechnet. Glauben sie mir, nein, bleiben sie weg, ich versichere ihnen, dass es alles nur eine Täuschung ist, bleiben sie weg, kommen sie doch zur Vernunft, nein.“, sie verstummt.

Die Rolle der Lust wechselt die Skizzen ihrer Leben. Kein Wort zwischen den einst Liebenden.
Zur Freiheit fehlte nur der Blickkontakt, doch die Untreue verbat diese Nähe, gebot Zurückhaltung und Abkapselung, nicht einfach alles voneinander zu verschlingen, nicht alles vom anderen zu verstehen.
Für einen Bruchteil einer Sekunde den Zweifel zulassen und ihn hinnehmen als gegeben, macht den Blick auf die Welt kritisch und plausibel. Wenn alles wahr wäre, was ich höre oder sehe, dann stimmten die Gesetze der Physik nicht, die Regeln der Natur, die Ordnung meiner Vernunft. Es ist kein Risiko in meinem Zögern, es kann nichts schief gehen, wenn ich abwarte.
Ich bin Ajax gewesen und schlug die Wohnung kurz und klein. Ich verscharrte die Leichen im Keller und verschwand in eine andere Welt, bis mich mein Gewissen trieb alles nieder zu schreiben, um es los zu werden, mich nicht mehr zu belasten und los lassen zu können.
Ganz oder gar nicht, womit die Illusion in Illusion umschlägt.

Triebfeder des Schreckens

Ich betrete mit Helena das Haus...