24. Solothurner Literaturtage 10. – 12. Mai 2002

Keinem grossen Thema mehr verpflichtet, öffnen sich Türen, melden sich Stimmen zu Wort, die sonst leicht überhört werden würden. Rumänische Stimmen etwa, die sich mit Schweizer Klängen mischen, sich zum Renshi, einem Kettengedicht, formen. Seit jeher haben sich die Solothurner Literaturtage dem aktuellen Schaffen von Autorinnen und Autoren verschrieben – diesmal gilt die Aufmerksamkeit auch neuer jiddischer Literatur.

Ohne Titel, vielstimmig aber, mit verschiedenen Schwerpunkten während dreier Tage präsentieren sich die 24. Literaturtage. Der Austausch, er wird – wie immer – zwischen Kreuz und Landhaus, in den Zwischenräumen, Nebengassen und Freinächten stattfinden. Der eine wird seine Maultrommel spielen, ein anderer verweist auf die „Schattwand“, der nächste ruft „Selbs Mord“! Dabei wissen es alle: „Keiner wars“. Bekannte Namen treffen auf neue. Erstmals in Solothurn lesen werden u.a. die Lyrikerin Sabina Naef aus Zürich, der im letzten Jahr mit dem Bettina-von-Arnim-Preis ausgezeichnete Basler Markus Ramseier, mit einem Erstling im Gepäck reist Claudia Quadri aus Lugano an.

Zum zweiten Mal lief der „Offene Block“ übers Netz. 176 Schreibende haben am „openNet 02“ teilgenommen. Von den Texten (alle auf www.literatur.ch) hat eine Jury fünf Beiträge ausgewählt, deren Autorinnen und Autoren am Samstag lesen werden.

Reisende aus Amsterdam, Athen, Berlin, Mailand, Nantes, New York, Oxford, Ramla, Strasbourg und Timişoara machen in Solothurn Halt, lesen aus ihren Büchern. Interessantes muss aber nicht immer zwischen zwei Buchdeckeln gedruckt sein: Namhafte Kolumnisten (darunter Martin Suter und Linus Reichlin) werden aus der Schule plaudern, über Metier und Medium diskutieren. Dabei werden Fragen offen bleiben. Zum Beispiel: Warum fallen Muttertag und Solothurner Literaturtage in diesem Jahr zusammen? Alexander Heimann hat eine Antwort versprochen. Oder: Mit welchen Konsequenzen ist zu rechnen, wenn Hanna Johansens „Lena“ auf Christian Uetz’ „Don San Juan“ trifft? Oder: Was hat der Büchner-Preisträger Arnold Stadler mit Erika Burkart zu tun? Stadler will persönlich dieser Frage nachgehen.

Weit über fünfzig Schriftstellerinnen und Schriftsteller geben sich ein Stelldichein, mit dabei so viele Übersetzer wie noch nie. Drei Übersetzungsateliers stehen auf dem Plan, die Erkenntnis wird – aller Voraussetzung nach – immer dieselbe sein: „In jeder Sprache heisst dasselbe anders.“ Der Satz stammt von Aglaja Veteranyi, die im Februar dieses Jahres aus dem Leben schied. Ihre Stimme werden wir vermissen.

Für die Programmkommission: Markus Bundi

PK 2002:
Walter Breitenmoser, Markus Bundi, Nicolas Couchepin, Anne Lavanchy, Sibylle Omlin, Bettina A. Spoerri, Liliane Studer, Martin Wyss


Lesungen

14 Einzellesungen (ca 30 Minuten, anschliessend Diskussion mit dem Publikum):
Jürg Altwegg, Irene Escher, Christian Haller, Alexander Heimann, Hanna Johansen, Li Mollet, Markus Ramseier, Isolde Schaad, Christian Schmid, Peter Stamm, Martin Suter, Christian Uetz, Yusuf Yesilöz, Matthias Zschokke

1 Lesung rätoromanisch-deutsch: Leo Tuor

2 Lesungen italienisch-deutsch: Mattia Cavadini Claudia Quadri

4 Lectures:
Pascale Kramer, Jean-Louis Kuffer*, Michel Layaz, Sylvie Neeman Romascano, Daniel de Roulet (viersprachige Texte-Broschüre)

3 Übersetzungsateliers:
Rose-Marie Pagnard, Markus Hediger / Klaus Merz, Donata Berra, Marion Graf / Fabio Pusterla, Mathilde Vischer, Hanno Helbling

13 Lesungen ausländischer GastautorInnen:
Ulrike Draesner (D), Barbara Honigmann (D/F), Michael Kleeberg (D), Judith Kuckart (D), Michele Mari (I), Pierre Michon (F), Margriet de Moor (NL), Albert Ostermeier (D), Mirjam Pressler (D), Siranna Sateli (GR), Bernhard Schlink (D), Arnold Stadler (D), Friedrich Karl Waechter (D)


Die weiteren Veranstaltungen

  • Rumänisch-schweizerisches Renshi mit den Autoren Nora Iuga, Ioan S. Pop, Robert Serban, Werner Lutz, Kurt Aebli und den Übersetzern Dumitru Hincu und Franz Hodjak
  • Aglaja Veteranyi zum Gedenken (17.5.1962 – 3.2.2002) mit Jens Nielsen und dem Orchester Kur und Bad und einer Fotoausstellung von Sabina Bobst in der Freitags-Galerie 9. – 25. Mai
  • Neue Jiddische Literatur mit Lev Berinski, Gennady Estraikh und Michael Felsenbaum, moderiert von Astrid Starck; Gesang: Bernard San, Klavier: Nik Pogonatos (zweisprachige Text-Broschüre)
  • Deuil/Trauer. Table ronde mit Janine Massard, Helen Meier, Rut Plouda
  • Kolumnisten/chronistes. Table ronde mit Gisela Widmer, Linus Reichlin, Martin Suter, Leo Tuor, Jean-Louis Kuffer*, Anne Rivier
  • Erika Burkart zum 80.Geburtstag. Vortrag von Arnold Stadler, Lesung Erika Burkart

  • Mittelwelle, Bahnhofsprosa: Peter Weber (Text, Maultrommel), Anton Bruhin (Maultrommel) und Denis Aebli (Perkussion). Film von Andreas Züst „Fluoreszierende Nebelmeere“
  • Musikalische Lesung: Sabina Naef (Lyrik), Christian Wolfarth (Schlagzeug)
  • Szenische Lesung: Urs Augstburger (Text), Monika Schärer und Thomas Stuckenschmidt
  • Lesenlernen rund um die Welt. Ausstellung im Palais Besenval, Lesungen von Brigitte Jud, Hanna Johansen, Mirjam Pressler, Kalligrafie- und Blindenschrift-Ateliers und Veronika Medicis BilderBühne
  • Kurzlesungen der OpenNet-GewinnerInnen
  • Bücherstand vor dem Landhaus


Ausser Haus
Führungen durch das Kabinett für sentimentale Trivialliteratur


Programmkommission
Walter Breitenmoser, Markus Bundi, Nicolas Couchepin, Anne Lavanchy, Sibylle Omlin, Bettina Spoerri, Liliane Studer, Martin Wyss