13'000 an den 34. Solothurner Literaturtagen
Sonntag, 20. Mai 2012 / 22:05 Uhr

Mit stehenden Ovationen für den Literaturwissenschaftler Peter von Matt, der 75 wurde, und für die scheidende Geschäftsleiterin Vrony Jaeggi haben am Sonntag die 34. Solothurner Literaturtage geendet. Wie im Rekordjahr 2011 wurden - ohne die Gratis-Lesungen - über 13'000 Eintritte gezählt.


Wäre jemand auf die Idee gekommen, in einer Nacht und Nebelaktion die Solothurner Literaturtage in «Vrony-Jaeggi-Tage» umzubenennen, die Schweiz hätte gewusst, dass es sich hier um die Literaturtage handelt. So Peter Bichsel in seiner kurzen Laudatio am Schluss der diesjährigen Literaturtage.

Höhepunkte waren dieses Jahr Auftritte von Franz Hohler, Hansjörg Schneider und Charles Lewinsky. Grosse Beachtung fand die Abschluss-Veranstaltung mit Peter von Matt und SRG-Direktor Roger de Weck. Sie diskutierten über das Selbstbild der Schweizer und über Parteien, die einander nicht verstünden. Viele Besucherinnen und Besucher verfolgten auch die Lesungen im Freien und im Dunkelzelt.

Unterhaltsam waren die «Icon Poet»-Veranstaltungen. «Icon Poet» ist ein Würfelspiel, bei dem Spieler aus fünf wechselnden Symbolen innert drei Minuten eine Geschichte zu einem bestimmten Thema basteln müssen. Unter anderen trat Thomas Meyer im Spiel gegen Hohler und Pedro Lenz an. Meyer machte aus dem Symbol der Schnecke eine im Bett nur langsam in Fahrt kommende Freundin. Hohler verkuppelte die Schnecke mit einem Känguruh, wobei die Frage nach der ehelichen Unterkunft, Beutel oder Haus, noch das geringste Problem darstellte. Lenz dichtete in drei Idiomen, darunter Balkan-Helvetisch. Ein paar hingeworfene Zeichen reichen also, um die Muse herbeizurufen.

Das Leitthema der Solothurner Literaturtage war die Inspiration, also die Quelle des literarischen Schaffens. Martin R. Dean etwa denkt bei «Musenkuss» an die Matratze: Im Halbschlaf kämen ihm ganze Romane in den Sinn, sagte er. Auch sein Gesprächspartner Marcel Beyer hat die besten Ideen morgens, «bevor sich die Wirklichkeit ins Hirn bohrt».
 Praxisorientierter ist die Sichtweise der Frauen: Friederike Kretzen und Christina Viragh benötigen im Winter Decken, weil sie mit kaltem Körper keinen kühlen Kopf bewahren können. Zudem sind beide passionierte Fensterguckerinnen. Wie die Männer orten aber auch sie die Inspiration im Unterbewussten: «Inspiration beginnt da, wo man keine Sprache hat», waren sie sich einig.



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