

Schwein gehabt. Roman (Die Lunte im Margarete Berg Verlag, 2012) S. 177ff
»Immer diese Natur! Cazzo!
Kaum bin ich auf dem schmalen Weglein, surren dicke Fliegen um meinen Kopf. Ich schlage um mich, konnten die nicht andere Wesen belästigen? Es war ätzend, das Geschmeiss. Was machten eigentlich die Fliegen, wenn ICH nicht da war? Shit, es wurden ihrer immer mehr.
Dann sehe ich einen weiteren Stuhl. Er liegt umgestürzt am Bode. Wieder so ein schöner Bauernstuhl, denke ich, mitten auf dem Waldweglein. Van Gogh? Seiner? Genau so einer, wie ich vorhin zwei habe mitlaufen lassen. War etwa schon jemand vor mir hier gewesen und hatte ihn auf der Flucht liegen lassen?
Ich denke falsch. Völlig falsch.
Ich gehe zum Stuhl, stelle ihn auf und setze mich darauf. Es riecht süsslich, ich schaue mich nach Beeren um, die Fliegen sind immer noch da, da müssen irgendwo Beeren sein, ich sehe keine. Der Geruch ist aber da.
Eine Wespe, eine Hummel, Bienen umschwirren mich, der Wald ist wirklich voller Ungeziefer. Mamma Mia, wieso gehe ich eigentlich alleine in einen abgeschiedenen Wald? Nur wegen des blöden Vorschusses von Baumeler Wanderferien! Allein, und dazu ohne Machete, ohne Pistole, denn jetzt kommen mir Bären und Wölfe in den Sinn.
Ich stehe auf und – SCHREIIIIIIIE!! Ich schreie!
Direkt neben mir, an einem Ast, hängt eine Leiche.
Ich hatte sie nicht bemerkt, weil ich nur an den Stuhl gedacht hatte und die Leiche dicht am Baumstamm hing. Es war eine Frau in dunklen Kleidern. Sie war es, die so süsslich roch. Ich stürzte davon. Die Fliegen verfolgten mich, die Dornen schlugen auf mich ein.
Blutend erreichte ich den R4.
Tric+Trac schlug Alarm, der Landrover aus Foligno musste her. Sein Alfa hätte es nie auf die Porette geschafft. Da ER aber als Erster oben sein wollte, und der Landrover auf sich warten liess, befahl er mir, ihn mit meinem R4 hochzufahren, denn mein Hüpfwägelchen konnte alles. Ich war stolz darauf.
So setzte er sich in vollem Carabinieri Ornat neben mich, und wir crashten den Waldweg hoch. Er war stolz, als Erster am Tatort zu sein und stolzierte wichtigtuerisch gegen den Wald hin.
Ich blieb bei meinem Wagen, und schon kamen von unten vier Carabinieri im Rover den Weg hochgeschossen.
»Eine LEICHE? Ein MORD?«
Ich wies die vier zum Waldweg hoch.
»Nach hundert Metern steht ein Stuhl, daneben hängt sie.« Die vier keuchten ins Dickicht. Ich blieb allein beim zerfallenden Gehöft zurück, lehnte mich an das warme R4-Blech.
Da blickte ich auf die zwei entwendeten Stühle. Shit!
Ausgerechnet in diesem Moment kam Tric+Trac wieder aus dem Wald heraus. Er hatte genug gesehen. Er wollte jetzt runter, das Gerichtsmedizinische organisieren, und stieg ein.
»Komm, wende! Die vier sichern die Lage.«
»Okay.«
»Ich brauche Perugia, die Zentrale und auch die Presse.«
ER wollte am nächsten Tag im Corriere, dem Regionalblatt, stehen.
»Verstanden.«
Er hatte geschwitzt, machte sich die Jacke, den Gürtel auf und wollte seine Mütze auf die Hinterbank legen, da war aber keine, da lagen nur die Stühle. Er wunderte sich und schaute mich an.
Ich fragte ihn nervös:
»Was ist?«
»Nichts, nur die zwei Stühle da, standen die auch im Wald?«
»Spinnst du?« wehrte ich ab.
Auftritt an den Solothurner Literaturtagen 2012
Die Gewinner des OpenNet 2013, des traditionellen Schreibwettbewerbs der Solothurner Literaturtage, sind bekannt.
Die 36. Solothurner Literaturtage finden statt vom
30. Mai – 1. Juni 2014.
Zum Programm der: 35. Solothurner Literaturtage 2013

Hier finden Sie die Literaturtermine 2013.
Das Plakat 2013, gestaltet von Blanc de Titane, Zürich